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Martyrium

Variationen und Potenziale eines Diskurses im Zweiten Jahrhundert

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Nicole Hartmann

Ausgehend von der Annahme einer stark ausdifferenzierten Jesus-Bewegung bietet diese Studie eine dekonstruktive Lektüre von Texten aus dem zweiten Jahrhundert, in denen Hinrichtungen von Jesus-Anhängern als Martyrium überhöht werden. Sie konzentriert sich dabei auf die Aushandlungsprozesse christlicher Identität: in der Zuschreibung von Märtyrerautorität oder im Ausloten der Grenzen für eine Vorstellung von Märtyrern als Opfern – heilswirksames Selbstopfer versus Opfer der barbarischen Gegner. Der durch die Gewalterfahrung und in Auseinandersetzung mit innerchristlichen Widersachern gefärbte Gegnerdiskurs und die Affirmation der Bezeichnung Christiani bezeugen die (Selbst-)Konzeptualisierung der Autoren, ersten Leser und Hörer dieser Texte innerhalb des proto-orthodoxen Christentums.

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2. Ignatius von Antiochia – Der wahrhaftig verfolgt wurde?

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2.1. Quellen und Forschung zu ignatius Wer war ignatius von antiochia? Gab es ihn überhaupt? diese Fragen gehören bis heute zu den meist diskutierten in der Forschung zur früh- christlichen Geschichte. im Folgenden soll in einer kurzen skizze der Quellensituation und einem paradigmatischen Forschungsausschnitt ge- zeigt werden, weshalb eine eindeutige, unwiderlegbare antwort nicht zu erbringen ist. 2.1.1. Quellen und antike Rezeption Es gibt sieben briefe des ignatius „der auch Theophoros heißt“,53 die als echt angesehen und als Hauptquelle für sein Leben untersucht werden;54 der Zusatz „von antiochia“ hat sich erst im Verlauf der Kirchengeschich- te zur individuellen bezeichnung seiner Person etabliert. aus diesen Ego- dokumenten erfahren wir, dass er in syrien von der römischen Obrigkeit aus einem Grund, den er ungenannt lässt, zum Tode verurteilt worden war. sie wählte für ihn die Todesstrafe ad bestias (ignRm 4; 5.2) und Rom als schauplatz seiner Hinrichtung (ignRm 1–2; 5.1). mit anderen Gefan- genen55 wurde er auf einem Weg durch Kleinasien zum Ziel geführt und hatte in der begrenzten Zeit dieser Reise Gelegenheit, mit mitgliedern dor- tiger christlicher Gemeinschaften zusammenzutreffen und dann briefe an sie zu verfassen; unter ihnen ein schreiben an Polykarp, episkopos von smyrna.56 Ein weiterer brief sollte der von ihm intendierten Gesamtheit der Jesus-anhänger in Rom seine baldige ankunft ankündigen und ihnen seine Erwartungen für seinen sich nähernden Tod mitteilen. in den briefen selbst finden sich keine angaben, die eine konkrete datierung zulassen 53...

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