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Das iranische Familienrecht unter der besonderen Berücksichtigung der Rechte von Frauen und Kindern

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Marjam Waladan

Das Werk befasst sich mit dem geschlechtsspezifischen iranischen Familienrecht. Ob bei der Eheschließung, den Ehewirkungen, der Scheidung oder den Scheidungsfolgen, stets spielt das Geschlecht der Beteiligten eine entscheidende Rolle, da eine Fülle der iranischen Rechtsvorschriften geschlechtsspezifisch formuliert ist. Die Kenntnis dieser iranischen Rechtsvorschriften für den deutschen Rechtsanwender – ob nun Richter oder Rechtsanwalt – ist angesichts der Anzahl der iranischen Staatsangehörigen in Deutschland von besonderer Relevanz, da die Gerichte im Falle eines Auslandsbezuges stets die Anwendung ausländischer Rechtsvorschriften prüfen müssen.

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F. Iranisches Scheidungsrecht

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Die Scheidung wird in der persischen Sprache mit tal übersetzt. Hierbei wird in der persischen Umgangssprache üblicherweise nicht unterschieden, ob die Initiative zur Scheidung vom Ehemann oder von der Ehefrau ausgeht. Das iranische Scheidungsrecht unterscheidet zwischen verschiedenen Arten von Scheidungen. Das Recht sich von seinem Ehepartner scheiden zu lassen, steht sowohl dem Mann als auch der Frau zu. Allerdings können ein Mann und eine Frau nicht unter den gleichen Voraussetzungen einen Antrag auf Scheidung der Ehe stellen. I. Arten von Scheidungen § 1143 IZGB ist zu entnehmen, dass das iranische Recht zwischen zwei ver- schiedenen Scheidungsarten unterscheidet. Zum einen sind dies die unwiderruf- liche, ben, und zum anderen die widerrufliche, ro’ai, Scheidung.282 Die unwi- derrufliche Scheidung ist in § 1144 IZGB und die widerrufliche Scheidung ist in § 1145 IZGB geregelt. Nach der Systematik des iranischen Gesetzgebers handelt es sich bei der wi- derruflichen Scheidung um den „Normalfall“. Denn nur wenn bestimmte Vor- aussetzungen nach § 1145 IZGB erfüllt sind, ist die Scheidung unwiderruflich. Die vom Gesetz genannten Fälle sind abschließend geregelt, z.B. bei einer Schei- dung vor dem Vollzug des Geschlechtsverkehrs oder im Falle der Scheidung von einer Frau, die sich in der Menopause befindet. Liegt eine ro’ai-Scheidung vor, dann hat der Mann nach § 1148 IZGB das Recht während der dreimonatigen Wartezeit der Frau die Scheidung zu widerru- fen und das eheliche Zusammenleben fortzusetzen. Ein solches Recht steht der Frau allerdings nicht zu.283 282 Vgl. Mohaghegh Damad, S. 419. 283 Vgl. Mohaghegh Damad, S. 437. 70 II. Allgemeine...

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