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Gagarin als Archivkörper und Erinnerungsfigur

Edited By Matthias Schwartz, Kevin Anding and Holt Meyer

Als erster Mensch im Weltraum umkreiste der sowjetische Luftwaffenoffizier Jurij Gagarin am 12. April 1961 in seinem Raumschiff Vostok die Erde. Mehr als 50 Jahre nach dem Ereignis und lange nach Ende des Kalten Kriegs genießt Gagarin weiterhin Aktualität. Der Körper des Kosmonauten lebt als eine grenzüberschreitende Erinnerungsfigur nahezu ungebrochen fort. Das Archiv seiner medialen Repräsentationen als Gast aus der Zukunft und Zeuge einer besseren Welt, als ewig lächelndes Kindheitsidol und zu früh verstorbener Himmelssohn, als russischer Recke und christlicher Heiliger ist genauso unerschöpflich wie ungeordnet. Die Aufsätze und Gespräche in diesem Buch wollen die seit über einem halben Jahrhundert automatisierten Wahrnehmungsmuster und Erzählverfahren über Gagarin als Archivkörper und Erinnerungsfigur kritisch reflektieren und damit einen Beitrag dazu leisten, das Reden und Denken über Gagarin wieder für kulturwissenschaftliche Debatten und künstlerische Interventionen zu Erinnerungskulturen und Gedächtnismedien, Archäologien des Archivs und Epistemologien des Erinnerns zu öffnen.

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Gagarin-Bilder. Ein Gespräch über Gagarin als Bild und als Material. Susanne Greinke, Christine Niehoff

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Gagarin-Bilder Ein Gespräch über Gagarin als Bild und als Material Susanne Greinke, Christine Niehoff Susanne Greinke: Wir sitzen hier in der Bar Gagarin im Berliner Stadtteil Prenz- lauer Berg, an den Wänden verschiedene Bilder und Devotionalien des Na- menspatrons. Nun beschäftigst auch du dich schon länger mit Jurij Gagarin. Wie kam es dazu? Was war der Auslöser für dieses Interesse? Wann und wie hat es begonnen? Christine Niehoff: Ich erinnere mich noch genau an den Zeitpunkt, wo mir der Name Jurij Gagarin das erste Mal begegnet ist. Es war in einem Buch für den Religionsunterricht, und zwar stand da ein Zitat drin, dass er während seines Raumfluges „Gott nicht gesehen” habe. Kommentieren will ich den Satz gar nicht, auch nicht den Kontext, aus dem er stammt, er ist mir einfach nur im Gedächtnis geblieben. Jahrzehnte später, während meines Masters of Fine Arts am Goldsmiths College in London ist mir in der Medienbibliothek ein Videoband über Gagarin in die Hände gefallen. Ich hatte mich zu dem Zeitpunkt stark mit den Themenbe- reichen Helden und Subkulturen beschäftigt. Interessiert hatte mich daran be- sonders, dass in diesen Bereichen oft eine stark vereinheitlichte Sprache vor- herrscht und wie sie aussieht. Ich hatte zum Beispiel aus gefundenen Textseg- menten über Turnerinnen eine komplett fiktive neue Kunstturnerin erfunden, deren Biographie ich als Buch festhielt und später auch als Film umsetzte. Bo- dybuilder hatten mich auch sehr interessiert, wie auch Astronauten / Kosmonau-...

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