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Die «Gläserne Decke»: Fakt oder Fiktion?

Eine literarische Spurensuche in deutschsprachigen Werken von Autorinnen

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Edited By Dolors Sabaté Planes and Marion Schulz

Die Metapher Gläserne Decke steht für Hindernisse, mit denen Frauen konfrontiert sind, wenn sie in ökonomischen wie alltäglichen Bereichen in klassische Männerdomänen einzudringen suchen, etwa Anspruch auf Führungspositionen erheben. Vor rund dreißig Jahren fassten Soziologen in den USA dieses Phänomen im wirtschaftlichen Bereich als glass ceiling. Die in diesem Band zusammengestellten Analysen literarischer Texte zeigen, wie das Phänomen der Gläsernen Decke das Alltagsleben von Frauen vom 18. bis ins 21. Jahrhundert auf differenzierte, häufig unterschwellige und erschreckend selbstverständliche Weise bestimmt. Gleichzeitig schaffen sich die untersuchten Autorinnen mit ihren autobiografischen Texten, Romanen, lyrischen und dramatischen Werken Freiräume und brechen tradierte Grenzen auf.

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Dolors Sabaté Planes: Wenn Mirjam an die Gläserne Decke stößt

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Wenn Mirjam an die Gläserne Decke stößt Dolors Sabaté Planes Die Spuren einer weiblich-jüdischen Kultur verlieren sich im tradierten po- litischen, philosophischen und literarischen Kanon, obwohl Juden von je- her einen wichtigen Bestandteil des intellektuellen und kulturellen Lebens in Deutschland bildeten. Die Abwesenheit der jüdischen Frau aus der lite- rarischen Tradition ist mit der Existenz einer Gläsernen Decke verbunden, die sich auf zweierlei Weise über jene jüdischen Frauen, die um öffentli- che Anerkennung gekämpft haben, ausbreitet. Einerseits durften jüdische Schriftstellerinnen als Frauen die Grenzen des literarischen Dilettantismus nicht überschreiten, andererseits konnten sie wegen ihres Judentums nur schwer Eingang in die deutsche Standesgesellschaft finden. Bis dato hat die Frauenforschung die Produktion jüdischer Autorinnen in eine westliche Frauengeschichte integriert. Deshalb bleiben Studien über die Spezifität der weiblich-jüdischen Kultur in deutschsprachigen Ländern ein Desideratum. Jüdische Frauen wurden zum ersten Mal in der Geselligkeit des roman- tischen Salons sichtbar, eine außergewöhnliche Situation, die mit den tra- ditionellen Bildungsanstrengungen des assimilierten deutschen Judentums zusammenhängt. Obwohl jüdische Frauen die traditionellen weiblichen Rollen erfüllten und die Hüterinnen der religiösen Bräuche im Familienleben waren, strebten sie auch die Überwindung der traditionellen Rollenmuster an. Ziel meiner Überlegungen ist nun die Auseinandersetzung der modernen deutsch-jüdischen Schriftstellerin mit ihrer gender- und ethnisch bedingten Lebensrealität. Obwohl Schriftstellerinnen um 1900 keine Seltenheit mehr waren, mussten sich jüdische Schriftstellerinnen trotz der Vollendung des jü- dischen Assimilationsprozesses mit einer immer...

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