Show Less

Raum und Realismus

Hugo van der Goes’ Bildproduktion als Erkenntnisprozess

Susanne Franke

Diese Arbeit diskutiert die religiösen und bildästhetischen Funktionen und Vorstellungen, die Hugo van der Goes beim Akt des Malens beschäftigten. Im Spiegel seiner Zeit und eines seiner Aufträge, des monumentalen Triptychons für den Leiter der Medici-Filiale in Brügge, Tommaso Portinari, lässt sich eine künstlerische Entwicklung ablesen, die zeigt, welchen bedeutsamen Stellenwert mimetische Malerei für die Sinn- und Gottsuche des frühneuzeitlichen Individuums hatte.

Prices

See more price optionsHide price options
Show Summary Details
Restricted access

Abschnitt I: Das Monforte-Retabel: Hugo van der Goes’ „sakramentaler Realismus“ einer „Anbetung des Kindes“

Extract

23 Abschnitt I: Das Monforte-Retabel: Hugo van der Goes’ „sakramentaler Rea- lismus“52 einer „Anbetung des Kindes“ 1. Von der Königsanbetung der „Perle von Brabant“ zu der des Monforte-Retabels: Raumkonstruktion als ein Prozess der Fokussierung „Als Erstes zeichne ich auf der zu bemalenden Fläche ein rechtwinkeliges Vier- eck von beliebiger Größe; von diesem nehme ich an, es sei ein offen stehendes Fenster durch das ich betrachte, was hier gemalt werden soll.“53 Diese Anweisung, wie eine fiktive Welt entsteht, die Leon Battista Alberti im 1. Buch, Kapitel 19 seines Traktats „Della Pittura“ gibt, ist nicht nur ein Trick, um eine nach perspektivischen Regeln konstruierte Illusion von Tiefe zu ermöglichen. Sie liefert vielmehr zugleich, südlich wie nördlich der Alpen, die kulturelle Vorstellung vom ge- rahmten und damit determinierten Blick auf gemalte Fiktionalität.54 Die Königanbe- tung des Monforte-Retabels, die der flämische Maler Hugo van der Goes vermutlich um 1470 als eines seiner ersten Auftragswerke ausführte, scheint dieser neuen, fikti- ven Wirklichkeit besonders „nahe“ zu sein (Tafel I). Auf der heute alleine überliefer- ten Mitteltafel des ursprünglich als Triptychon konzipierten Retabels ist zu sehen, wie lebensgroße, monumentale Figuren in einem nur ausschnitthaft gezeigten bühnenarti- gen Raum agieren:55 Der lebhafte Glaube werde mit der Licht einfangenden Hand 52 Dieser Begriff wurde von Heike Schlie geprägt und meint die tatsächliche Anwesenheit des Körpers Christi im Bild. Vgl. dazu: Heike Schlie: Bilder des Corpus Christi. Sakramentaler Realismus von Jan...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.