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Raum und Realismus

Hugo van der Goes’ Bildproduktion als Erkenntnisprozess

Susanne Franke

Diese Arbeit diskutiert die religiösen und bildästhetischen Funktionen und Vorstellungen, die Hugo van der Goes beim Akt des Malens beschäftigten. Im Spiegel seiner Zeit und eines seiner Aufträge, des monumentalen Triptychons für den Leiter der Medici-Filiale in Brügge, Tommaso Portinari, lässt sich eine künstlerische Entwicklung ablesen, die zeigt, welchen bedeutsamen Stellenwert mimetische Malerei für die Sinn- und Gottsuche des frühneuzeitlichen Individuums hatte.

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Abschnitt II:Tommaso Portinari und Hugo van der Goes: der Auftrag für die Memoria

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105 Abschnitt II: Tommaso Portinari und Hugo van der Goes: der Auftrag für die Memoria 1. Neuer Auftrag und altes Prinzip: der sinnstiftende Raum des Portinari-Retabels zwischen nah und fern Die Analysen im vorangegangenen Abschnitt konnten zeigen, dass die Bildraumkon- struktion des Monforte-Retabels das Ergebnis eines Fokussierungsprozesses ist. Mehr noch, Hugo van der Goes hat dafür ein bestimmtes Vorbild, die Königsanbetung der „Perle von Brabant“, als Grundlage herangezogen, die vermutlich ein mit Hugo van der Goes bekannter Maler aus der Boutswerkstatt sehr wahrscheinlich etwas früher oder zur selben Zeit entworfen haben dürfte. War das Kopieren von bereits vorhan- denen Bildformulierungen und deren Abwandlung durchaus eine gängige Vorge- hensweise in der flämischen Malerei der Zeit, ist diese Art der bildlichen Auseinander- setzung und des Austausches für die Malpraxis doch etwas sehr Ungewöhnliches.269 Zwar bietet die Orientierungsbedürftigkeit eines noch am Anfang seiner stilisti- schen und malerischen Entwicklung stehenden Malers eine mögliche Erklärung für die stilistische Abhängigkeit von einer früheren Bildformulierung. Die Reflektionse- bene, die Hugo van der Goes’ neuartigem Umgang mit der Konstruktion von Raum zugrunde liegt, der im übrigen schon im Vorbild aus der Boutswerkstatt wie ein Lehr- beispiel vorgeführt wird, spricht jedoch dafür, dass Van der Goes das bedeutsame Potenzial, das in der Betrachterrezeption liegt, erkannte und dieses zu einem grundle- genden Kriterium bei der konzeptionellen Vorgehensweise seiner Bild-, oder besser, Raumfindung erhob. Das zweite heute bekannte große Auftragswerk, das Hugo van...

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