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Johannes Brahms «Ein deutsches Requiem» in Hamburg

Eine Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte

Dieter Feldtmann

« Ein deutsches Requiem wird wahrscheinlich jenes Werk sein, mit dem Brahms in die kommenden Jahrhunderte hinüberlebt» – so in einer frühen Kritik. Davon legt die Hamburger Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte beredtes Zeugnis ab. Es dauerte jedoch Jahrzehnte, bis das Werk in der Öffentlichkeit durchgesetzt war. 1906 etablierte sich die deutschlandweit einmalige Hamburger Tradition der Bußtagskonzerte. Seit Mitte der 1950er Jahre traten dann bei den Aufführungen neben der Hamburger Singakademie immer mehr Hamburger Chöre und Kantoreien hinzu. Mit dem Wandel gesellschaftlicher, politischer, ökonomischer und musikästhetischer Gegebenheiten änderten sich sowohl die Rezeptionsbedingungen als auch das Werkverständnis. So ergibt sich bei aller Wiederholung und Konstanz in der über 140-jährigen Aufführungsgeschichte in Hamburg ein abwechslungs- und facettenreiches Bild des Brahmsschen Werkes.

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Zur Einführung: Ein deutsches Requiem in Hamburg

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Das semantische Potential der Kunstwerke erschließt sich nicht im Augenblick ihres ersten Erscheinens, sondern enthüllt sich erst mit ihrem geschichtlichen Weiterleben, ihrem Eintreten in neue Kontexte der Rezeption. Albrecht Wellmer1 Ein deutsches Requiem, von Johannes Brahms abschätzig das Ding2 genannt, um damit seine tiefe emotionale Bindung an das Werk zu camouflieren - und zugleich zu offenbaren, ist neben den Bachschen Passionen und dem Weihnachtsoratorium das meistgespielte (kirchen)musikalische Werk in Hamburg. In der jüngsten Vergangenheit hat es bis zu 10 Aufführungen pro Jahr erreicht. Das dürfte in der über 140-jährigen Aufführungsgeschichte des Werkes deutschlandweit einmalig sein. Diese Auffuhrungsgeschichte beginnt mit dem Jahre 1869, als Hamburg mit zu den ersten Städten im deutschsprachigen Raum gehörte, die Ein deutsches Requiem nach der Uraufführung in Bremen am Karfreitag, den 10. April 1868, nachspielten. Unter der Leitung von Julius von Bemuth, dem damaligen Leiter der Hamburger Singakademie und dem Dirigenten der Konzerte der Philhar­ monischen Gesellschaft in Hamburg, kam das Werk hier am 23. März 1869 in der St. Michaeliskirche zur Erstaufführung. Für die Soli hatte man die junge Hamburger Sopranistin Elisabeth Avé-Lallemant (1843-1925) und den hannoverschen Hofopemsänger August Keller gewonnen. Der Organist war G. D. W. Osterholdt. Wie zahlreiche spätere Aufführungen auch war sie ein Benefizkonzert, in diesem Falle Zum Besten des Kinder-Hospitals des weiblichen Vereins für Armen- und Krankenpflege. Fanden die weiteren Aufführungen bis zum Jahrhundertende in Abständen von ein bis...

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