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Johannes Brahms «Ein deutsches Requiem» in Hamburg

Eine Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte

Dieter Feldtmann

« Ein deutsches Requiem wird wahrscheinlich jenes Werk sein, mit dem Brahms in die kommenden Jahrhunderte hinüberlebt» – so in einer frühen Kritik. Davon legt die Hamburger Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte beredtes Zeugnis ab. Es dauerte jedoch Jahrzehnte, bis das Werk in der Öffentlichkeit durchgesetzt war. 1906 etablierte sich die deutschlandweit einmalige Hamburger Tradition der Bußtagskonzerte. Seit Mitte der 1950er Jahre traten dann bei den Aufführungen neben der Hamburger Singakademie immer mehr Hamburger Chöre und Kantoreien hinzu. Mit dem Wandel gesellschaftlicher, politischer, ökonomischer und musikästhetischer Gegebenheiten änderten sich sowohl die Rezeptionsbedingungen als auch das Werkverständnis. So ergibt sich bei aller Wiederholung und Konstanz in der über 140-jährigen Aufführungsgeschichte in Hamburg ein abwechslungs- und facettenreiches Bild des Brahmsschen Werkes.

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I Die ersten 15 Aufführungen in Hamburg von 1869 bis 1906

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1Einleitung Als Ein deutsches Requiem von Johannes Brahms am 23. März 1869 zum ersten Male in Hamburg aufgeführt wurde, existierten hier drei bürgerliche Tageszeitungen, der Hamburgische Correspondent, das Hamburger Fremdenblatt und die Hamburger Nachrichten', im Jahre 1875 kamen das sozialdemokratische Hamburger Echo und 1896 die linksliberale Neue Hamburger Zeitung hinzu. Die Rezensionen der Musikkritiker dieser Zeitungen bilden die eigentliche Grundlage der Rezeptionsgeschichte der Aufführungen des Brahmsschen Werkes. Neben dieser öffentlichen Wahrnehmung in der Presse gibt es nur wenige private Zeugnisse, wie die Briefe von Johann Jacob Brahms, Elise Brahms, Klaus Groth und Friedrich Chrysander. Diese setzen kleine, doch nicht unbedeutsame Akzente, die das öffentliche Bild auf ganz persönliche Weise ergänzen oder abrunden. Von Anfang an fanden die Aufführungen große Resonanz in der Hamburger Presse. Das zeigt sich an der Regelmäßigkeit, mit der diese in den genannten Zeitungen, allerdings mit unterschiedlicher Ausführlichkeit, besprochen wurden. So wurden im Hamburgischen Correspondenten wie in den Hamburger Nachrichten bis auf eine Ausnahme, das Volkskonzert am 12. März 1903, alle Aufführungen rezensiert. Das gilt auch für das Hamburger Fremdenblatt - dort fehlen allerdings die Ausgaben von 1869 und 1880 - , nur dass hier die Aufführung im Jahre 1882 nicht besprochen wurde. Im Hamburger Echo wurden in den Jahren 1869 bis 1906 grundsätzlich keine Aufführungen von Musikwerken der bürgerlichen Hochkultur rezensiert; die einzige Ausnahme bildet das Volkskonzert am 5. Januar 1906. In der Neuen Hamburger Zeitung schließlich wurden ab...

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