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Sprachlehrforschung: Theorie und Empirie

Festschrift für Rüdiger Grotjahn

Edited By Annette Berndt and Karin Kleppin

Mit der vorliegenden Festschrift für Rüdiger Grotjahn wird ein Wissenschaftler geehrt, der die deutsche Sprachlehrforschung der letzten 30 Jahre maßgeblich geprägt hat. Die Beitragenden nehmen Forschungsschwerpunkte Rüdiger Grotjahns auf; die einzelnen Artikel bewegen sich in den Themenkreisen «Prüfen, Testen, Evaluieren», «Empirische Forschungsansätze» und «Individuelle Faktoren und Individualisierung». Teils sehr persönliche Rück- und Ausblicke einzelner Beitragender geben einen besonderen Blick «hinter die Kulissen» des Faches Sprachlehrforschung.

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Empirische Forschungsansätze

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L2-Erwerb als soziokognitiver Prozess: Aufmerksamkeit als Mittler zwischen Interaktion und Erwerb Karin Aguado Der menschliche Erstsprachenerwerb ist ein illustratives Beispiel für die komplexe Interaktion zwischen Anlage („nature“) und Umwelt („nurture“). Entsprechend besteht in der fachwissenschaftlichen Diskussion inzwischen ein allgemeiner Konsens darüber, dass weder die genetische Ausstattung noch die soziale Umgebung allein bestimmen, welchen Verlauf die sprachliche Entwicklung nimmt, sondern dass beide Komponenten in einem viel- schichtigen Wirkungszusammenhang stehen. Inwiefern dieser Zusammenhang in ähnlicher Weise auch für den Fremd- und Zweitsprachenerwerb angenommen werden kann, soll im vorliegenden Beitrag angerissen werden. Hierzu werden zwei derzeit intensiv diskutierte, lerntheoretisch unterschiedlichen Paradigmen zuzuordnende Ansätze der L2-Interaktions- forschung näher betrachtet. Der Darstellung zentraler Annahmen und Ergebnisse der empirischen kognitivistischen und soziokulturellen Interaktionsforschung folgt der Versuch, beide Sichtweisen zueinander in Beziehung zu setzen und sowohl dem kognitiven als auch dem sozialen Aspekt des L2-Erwerbs Rechnung zu tragen. 1. L2-Erwerb aus der Perspektive der kognitivistischen Interaktionsforschung Die Beobachtung, dass nicht nur Kinder, die ihre Erstsprache (L1) erwerben, sondern auch Lernende, die eine Fremd- oder Zweitsprache (L2) lernen, Äußerungen ihres Interaktionspartners teilweise oder vollständig in eigene nachfolgende Äußerungen übernehmen, war für Wagner-Gough und Hatch (1975) der Anlass für die Annahme, dass Interaktionen nicht nur dazu dienen, erworbenes Wissen zu praktizieren, zu stärken und zu automatisieren, sondern dass die aktive Teilnahme an interaktiven Ereignissen und die damit verbundene Konstruktion sprachlichen Wissens selbst L2-Erwerbsprozesse auslöst und fördert. Diese Überlegungen wurden von Long (1983) aufgegriffen und – unter Ein-...

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