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Verbale Indirektheiten beim Diskursdolmetschen am Beispiel des Sprachenpaars Polnisch–Deutsch

Agnieszka Will

Was sind verbale Indirektheiten und wie geht die DolmetscherIn mit ihnen um? Auf Grundlage a) theoretisch hergeleiteter Definitionskriterien für eine translationswissenschaftlich/-praktisch orientierte Definition und b) authentischer Daten des Sprachenpaars Polnisch–Deutsch wird eine operationalisierte Definition erarbeitet: die 2-Komponenten-Indirektheit. Zur Überprüfung des Umgangs der DolmetscherIn mit dieser wird, aufgrund der spezifischen Gesprächsstruktur des gedolmetschten Diskurses, ein passendes Kommunikationsmodell hergeleitet: das Kommunikationsmodell der Dolmetschtriade. Die darin integrierte, schrittweise und systematische Bedeutungsbestimmung der Indirektheit sowie Reflexionsmöglichkeit kann die DolmetscherIn zur Qualitätssicherung in der aktuellen Dolmetschsituation nutzen.

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0. Einleitung

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0.1 Problemstellung, Zielsetzung und Gegenstand Dass Menschen „zwischen den Zeilen“ kommunizieren, ist ein bekanntes, wenn auch unterschiedlich bezeichnetes, Phänomen. Der Stellenwert dieser Form der Kommunikation zeigt sich u. a. darin, dass die Unfähigkeit, „zwischen den Zeilen zu lesen“, als ein Symptom von Autismus eingestuft wird (der wiederum als eine Entwicklungsstörung gilt).1 T. E. Hall, Anthropologe und Begründer der Interkulturellen Kommunikation als Wissenschaft2, stellte die Hypothese auf, dass sogar ganze Kulturen im Hinblick darauf unterschieden werden können, wie direkt Inhalte kommuniziert werden: In Kulturen des sog. niedrigen Kontextes wird direkt kommuniziert – i. S. v. offen zugänglich, klar, eindeutig –, was bedeutet, dass kein/kaum textexternes Kontext- wissen herangezogen wird, um Inhalte zu verstehen, und in Kulturen des sog. hohen Kontextes3 wird indirekt kommuniziert – i. S. v. semantisch verschlüsselt – und die Entschlüsselung des kommunizierten Inhalts erfolgt durch Hinzuziehen textexter- nen Kontextwissens (durch die GesprächspartnerIn4): (...) When talking about something that they have on their minds, a high‑context indivi‑ dual will expect his interlocutor to know what’s bothering him, so that he doesn’t have to be specific. The result is that he will talk around and around the point, in effect putting all the pieces in place expect the crucial one. Placing it properly – this keystone – is the role of the interlocutor. To do this for him is an insult and a violation of his individuality. (...) (Hall 1976:8) Bei einer Begegnung zwischen Vertretern der beiden Kulturtypen sind Missver- ständnisse sehr wahrscheinlich (op. cit....

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