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Verbale Indirektheiten beim Diskursdolmetschen am Beispiel des Sprachenpaars Polnisch–Deutsch

Agnieszka Will

Was sind verbale Indirektheiten und wie geht die DolmetscherIn mit ihnen um? Auf Grundlage a) theoretisch hergeleiteter Definitionskriterien für eine translationswissenschaftlich/-praktisch orientierte Definition und b) authentischer Daten des Sprachenpaars Polnisch–Deutsch wird eine operationalisierte Definition erarbeitet: die 2-Komponenten-Indirektheit. Zur Überprüfung des Umgangs der DolmetscherIn mit dieser wird, aufgrund der spezifischen Gesprächsstruktur des gedolmetschten Diskurses, ein passendes Kommunikationsmodell hergeleitet: das Kommunikationsmodell der Dolmetschtriade. Die darin integrierte, schrittweise und systematische Bedeutungsbestimmung der Indirektheit sowie Reflexionsmöglichkeit kann die DolmetscherIn zur Qualitätssicherung in der aktuellen Dolmetschsituation nutzen.

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2. Zum Phänomen des „Indirekten“ in der Translations-/Dolmetschwissenschaft und den Nachbardisziplinen

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In diesem Kapitel folgt eine Auseinandersetzung damit, was unter verbaler Indirekt- heit in der Translations-/Dolmetschwissenschaft (TW/DW) und ihren Nachbardiszi- plinen verstanden wird, mit welchen Methoden verbale Indirektheit bestimmt wird und welche Konsequenzen sich aus beidem für die TW/DW ergeben. Es wird im Einzelnen auf die Konzepte von House (Indirektheit), Blum-Kulka (Explizitation), Grice (Implikatur und Konversationsmaximen), Sperber/Wilson (Im- plikatur und Relevanz), van Dijk/Kintsch (Implizitheit), Searle (indirekte Sprechakte; Illokution/Perlokution), Kiesling/Johnson (Formen der Indirektheit), Park (kom- munikative Indirektheit), Sager (Implizitheit), Brown/Levinson (off-record FTA) eingegangen. Für einen umfassenden Überblick über das Phänomen Indirektheit in der Alltagskommunikation aus der Sicht der Pragmatik siehe Park (2000). 2.1 Indirektheit (House), Explizitation/Implizitation (Blum-Kulka) In der TW/DW verwendet lediglich House die Kategorien „Direktheit/Indirektheit“; sie entstanden vor dem Hintergrund kontrastiver Studien (vgl. House 1997:79, 84) und veranlassten House zu der Einschätzung, das Deutsche sei direkter und expli- ziter als das Englische (ebd.). House‘ umfassende und vielseitige Studien widmen sich intensiv der Erforschung des Sprachenpaars Deutsch-Englisch und decken viele Unterschiede in Bezug auf die jeweilige Sprachverwendung auf. Im Hinblick auf eine Anwendung der Forschungsergebnisse von House auf die aktuelle Fragestellung sind zum einen Unterschiede zu dieser Arbeit zu nennen und zum anderen kritische Aspekte der Theorie an sich. Die Unterschiede zur aktuellen Arbeit scheinen dabei weniger problematisch zu sein: a) Das Sprachenpaar ist bei House Englisch-Deutsch, hier Polnisch-Deutsch. b) Gegenstand der Gespräche sind bei House Alltagsthemen (House-Edmondson 1981:44), hier Geschäftskontexte. zu a) Mit einer jeweils sprachenspezifischen Definition von Indirektheit für das Sprachenpaar...

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