Show Less

Das Kuckuckskind und seine drei Eltern

Eine kritische Würdigung der bestehenden Rechtslage mit Vorschlägen für interessengerechte Regelungen unter rechtsvergleichenden Aspekten aus dem EMRK-Raum

Series:

Kerstin Aust

Kerstin Aust belegt mit einem Vergleich der Regelungen in den 47 EMRK-Staaten, dass die Rechtsfragen, die sich in einer Familie mit Kuckuckskind stellen, trotz der anhaltenden Flut von Akten der deutschen Gesetzgebung und Rechtsprechung nicht zufriedenstellend gelöst sind. Auf die Frage, ob nur die biologische Abstammung oder nur die soziale Wirklichkeit Rechtswirkungen hervorrufen soll, gibt es ihrer Ansicht nach keine einzig gültige Antwort. Vielmehr kommt es auf den Einzelfall und auf das Wohl des Kuckuckskindes an. Die Autorin fordert daher flexible Regelungen: Das Gesetz sollte bei einem Kuckuckskind keine «entweder-oder»-Frage stellen, sondern eine «sowohl-als-auch»-Lösung bieten, welche die Möglichkeit des rechtlichen Nebeneinanders zweier Väter und einer Mutter beinhaltet.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

1 Einleitung

Extract

Wilhelm Busch schrieb zu Beginn seines Werks Julchen den viel zitierten Satz: „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr.“ Tatsächlich ist es in Deutschland für den biologischen Vater eines Kuckuckskindes gar nicht so einfach, rechtlicher Vater zu werden. Umgekehrt macht es das deutsche Recht dem rechtlichen Vater ungleich schwerer, die vermeintliche Vaterschaft zu einem untergeschobenen Kind zu beseitigen. Dieses Ungleichgewicht ist – wie im Einzelnen darzulegen sein wird – nicht ge- rechtfertigt, was sich insbesondere anhand einer rechtsvergleichenden Betrachtung der Regelungen in den Vertragsstaaten der Konvention zum Schutze der Menschen- rechte und Grundfreiheiten (EMRK-Staaten) zeigt. Obwohl die deutsche Rechtsprechung und Gesetzgebung rund um das Thema Kuckuckskinder, die in den letzten zehn Jahren mehrfach eine „Ermahnung“ durch den EuGHMR aufgrund einer zu strengen Linie provozierten, scheinbar zu einem Stillstand gekommen sind, wurden die Rechtsfragen, die sich in Kuckuckskind- Konstellationen stellen, nicht zufriedenstellend gelöst. Das Phänomen ist seit alters her bekannt, wird aber stets tabuisiert. Dies gilt es zu ändern. 1.1 Überblick Das Wort Kuckuckskind fand im Jahr 2004 Einzug in den Duden und bezeichnet um- gangssprachlich ein „Kind, dessen leiblicher Vater nicht der Mann ist, der sich dafür hält“.1 Zu diesem Zeitpunkt befand sich die bereits einige Jahre anhaltende öffent- liche Diskussion über heimliche Vaterschaftstests auf ihrem Höhepunkt. Mit Hilfe solcher Tests konnten sich vor allem Männer, die Zweifel an ihrer Vaterschaft hatten, in aller Stille und insbesondere außerhalb eines gerichtlichen (Vaterschaftsanfech- tungs-)Verfahrens Gewissheit darüber verschaffen, ob es sich...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.