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Das Kuckuckskind und seine drei Eltern

Eine kritische Würdigung der bestehenden Rechtslage mit Vorschlägen für interessengerechte Regelungen unter rechtsvergleichenden Aspekten aus dem EMRK-Raum

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Kerstin Aust

Kerstin Aust belegt mit einem Vergleich der Regelungen in den 47 EMRK-Staaten, dass die Rechtsfragen, die sich in einer Familie mit Kuckuckskind stellen, trotz der anhaltenden Flut von Akten der deutschen Gesetzgebung und Rechtsprechung nicht zufriedenstellend gelöst sind. Auf die Frage, ob nur die biologische Abstammung oder nur die soziale Wirklichkeit Rechtswirkungen hervorrufen soll, gibt es ihrer Ansicht nach keine einzig gültige Antwort. Vielmehr kommt es auf den Einzelfall und auf das Wohl des Kuckuckskindes an. Die Autorin fordert daher flexible Regelungen: Das Gesetz sollte bei einem Kuckuckskind keine «entweder-oder»-Frage stellen, sondern eine «sowohl-als-auch»-Lösung bieten, welche die Möglichkeit des rechtlichen Nebeneinanders zweier Väter und einer Mutter beinhaltet.

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3 Rechtliche Auswirkungen der Abstammung eines Kuckuckskindes

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Das vorstehende Kapitel hat gezeigt, dass der deutsche Gesetzgeber und die deut- sche Rechtsprechung der sozialen Familie des Kuckuckskindes, d.h. dem „schönen Schein“, den die Mutter geschaffen hat, in vielen Fällen zu Unrecht kategorisch den Vorrang vor der biologischen Abstammung einräumen. Frei nach dem Motto: „Nicht Fleisch und Blut, das Herz macht uns zu Vätern und Söhnen.“1235 mit dem allerdings der Franz in Friedrich Schillers „Die Räuber“ seinen Vater, den alten Moor, hinters Licht führen wollte. Dreiecksbeziehungen sind immer problematisch. Wenn sich erst einmal heraus- gestellt hat, dass der „schöne Schein“ trügerisch gewesen ist, und das „Herz“ des rechtlichen Vaters (oder des Kindes oder der Mutter) nicht stark genug ist, um der sozialen Familie weiterhin den Vorrang einzuräumen, wird sich die Abstammung des Kindes in aller Regel durch eine Anfechtung der Vaterschaft ändern. Dies hat zahlreiche Auswirkungen in unterschiedlichen Rechtsgebieten. Im Namensrecht treten die Rechtsfolgen nicht automatisch ein. Sofern sich der Geburtsname des Kindes vom Vater ableitet, wird er trotz erfolgreicher Anfechtung der Vaterschaft nicht kraft Gesetzes geändert.1236 Gemäß § 1617b Abs. 2 BGB kann er aber auf Antrag des Kindes oder, wenn das Kind das fünfte Lebensjahr noch nicht vollendet hat, auch auf Antrag des Scheinvaters geändert werden. Die erfolgreiche Anfechtung der Vaterschaft kann zudem Auswirkungen auf die Staatsangehörigkeit haben. Falls die deutsche Staatsangehörigkeit des Kindes nur durch die Vaterschaft begründet war, verstößt deren rückwirkender Verlust – jedenfalls wenn die Anfechtung der...

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