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Das Kuckuckskind und seine drei Eltern

Eine kritische Würdigung der bestehenden Rechtslage mit Vorschlägen für interessengerechte Regelungen unter rechtsvergleichenden Aspekten aus dem EMRK-Raum

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Kerstin Aust

Kerstin Aust belegt mit einem Vergleich der Regelungen in den 47 EMRK-Staaten, dass die Rechtsfragen, die sich in einer Familie mit Kuckuckskind stellen, trotz der anhaltenden Flut von Akten der deutschen Gesetzgebung und Rechtsprechung nicht zufriedenstellend gelöst sind. Auf die Frage, ob nur die biologische Abstammung oder nur die soziale Wirklichkeit Rechtswirkungen hervorrufen soll, gibt es ihrer Ansicht nach keine einzig gültige Antwort. Vielmehr kommt es auf den Einzelfall und auf das Wohl des Kuckuckskindes an. Die Autorin fordert daher flexible Regelungen: Das Gesetz sollte bei einem Kuckuckskind keine «entweder-oder»-Frage stellen, sondern eine «sowohl-als-auch»-Lösung bieten, welche die Möglichkeit des rechtlichen Nebeneinanders zweier Väter und einer Mutter beinhaltet.

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4 Die konsequente Lösung: ein Kuckuckskind darf zwei rechtliche Väter haben

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Der (sog. „Reform-“)Pädagoge Alexander Sutherland Neill prägte den zutreffenden Satz „Es gibt kein problematisches Kind, es gibt nur problematische Eltern.“ Dies gilt umso mehr bei einem Kuckuckskind, das (zumindest vorübergehend) zwei Väter hat, nämlich einen biologischen und einen sozialen. Würden die betroffenen Personen, d.h. insbesondere die Erwachsenen, die biologische Wahrheit und die soziale Wirklichkeit gleichermaßen respektieren, könnte das Kuckuckskind zwei gleichberechtigte Väter erhalten. Viele der in den vorstehenden Kapiteln aufgezeig- ten Kritikpunkte würden sich erledigen, wenn ein Kuckuckskind zwei rechtliche Väter haben dürfte, denen dieselben Rechte und Pflichten zustehen. Wie sogleich zu zeigen sein wird, werfen zwei rechtliche Väter in den betroffenen Rechtsgebieten keine zusätzlichen Probleme auf – im Gegenteil, es würden sich viele Probleme auflösen. 4.1 Zwei rechtliche Väter: Pros und Kontras Die Ablehnung des rechtlichen Nebeneinanders von zwei Vätern und einer Mut- ter geht vor allem auf ein traditionelles Bild der Familie mit drei Parteien (Vater, Mutter und Kind) zurück, das auf eine Kuckuckskind-Familie mit vier Parteien (biologischer und rechtlicher Vater, Mutter und Kind) nicht passt.1446 Mit der Ein- fügung von § 1686a BGB hat der Gesetzgeber bereits gezeigt, dass es für eine Kuckuckskind-Familie flexiblere Lösungen geben kann und muss. Angesichts die- ses ersten richtigen Schritts des Gesetzgebers sprechen im Ergebnis die besseren Argumente für die Schaffung einer Möglichkeit zur völligen Gleichstellung des rechtlichen und des biologischen Vaters hinsichtlich der Rechte und Pflichten in...

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