Show Less

Bildungsurlaub – Planung, Programm und Partizipation

Eine Studie in Perspektivverschränkung

Series:

Edited By Steffi Robak, Horst Rippien, Lena Heidemann and Claudia Pohlmann

In einem perspektivverschränkenden Ansatz untersuchen die Autorinnen und der Autor die polyvalenten Wirkungen von Bildungsurlaub. Außerdem befassen sie sich mit den durch die Gesetzesänderung evozierten Steuerungseffekten auf der Ebene der Anbieter und Angebote. Es werden darüber hinaus die professionellen Handlungsmodi der Programmplanung untersucht und die Interessens- und Verwertungszusammenhänge der Teilnehmenden. Hintergrund ist die Tatsache, dass es in Deutschland nur wenige gesetzliche Regelungen gibt, die ein Recht des Einzelnen auf Weiterbildung sichern. Ein besonderes Beispiel sind die Landesgesetze zum Bildungsurlaub (auch Bildungsfreistellungsgesetze). Das Bundesland Bremen hat sein Bildungsurlaubsgesetz im Jahre 2010 novelliert und versucht die Teilnahmequote zu erhöhen, indem es das Spektrum an Bildungsurlaubsanbietern und Veranstaltungsformaten ausdifferenziert und erweitert.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Einführung und theoretischer Hintergrund

Extract

Horst Siebert Bildungsurlaub – ein Rückblick als Vorwort Der Bildungsurlaub ist eine bezahlte berufliche Freistellung von Arbeitnehmerin- nen und Arbeitnehmern zum Zweck institutionalisierter Weiterbildung. Die Lan- desgesetze zum Bildungsurlaub regeln vor allem die betriebliche Freistellung. Außer diesen Gesetzen, die in einigen Bundesländern in Erwachsenenbildungs- gesetze integriert worden sind, gibt es seit 1970 tarifrechtliche Freistellungsrege- lungen. Ende 1973 existierten bereits ca. 200 Tarifvereinbarungen in 198 Tarifbereichen mit ins- gesamt 2,2 Millionen von ca. 22 Million in weiterbildungsberechtigten Arbeitnehmern. Bis 1977 gab es Tarifvereinbarungen für 2,765 Millionen Beschäftigte, das sind ca. 14 % aller weiterbildungsberechtigten Beschäftigten (Olbrich 2001, S. 375). Weitere Freistellungen zur Weiterbildung regeln u. a. das Betriebsverfassungs- gesetz, das Bundespersonalvertretungsgesetz, das Schwerbehindertengesetz, die Urlaubsverordnung für Beamte oder das (inzwischen revidierte) Arbeitsförde- rungsgesetz. Die ersten Bildungsurlaubsgesetze traten Anfang der 1970er Jahre in Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen und Niedersachsen in Kraft. „Bis 2001 wurden entspre- chende Regelungen in allen Ländern der Bundesrepublik mit Ausnahme Bayerns, Baden-Württembergs, Sachsens und Thüringens eingeführt.“ (Reichling 2010, S. 48). Die Widerstände der Arbeitgeberverbände waren zum Teil gravierend und es wurden mehrere Arbeitsgerichtsverfahren durchgeführt. Umstritten waren e.g. Regelungen, die die berufliche Qualifizierung vom Bildungsurlaub ausschlossen oder auch Seminare, die mit Studienreisen oder in Tourismusgebieten stattfinden sollten. Auf die juristischen Auseinandersetzungen versuchte der Gesetzgeber zu reagieren, einige Gesetze und Verordnungen wurden revidiert, so dass Kompro- misse und Vereinbarungen zwischen den Interessengruppen erreicht wurden: Durch Verfahrensänderungen, Kleinbetriebe-Schutzklauseln und eine stärkere Akzen- tuierung...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.