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Der unveräußerliche Kernbereich der Leitungsfunktion

Was der Gesamtvorstand einer Aktiengesellschaft zwingend selbst tun muss

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Nina Kristin Grabolle

Die Autorin untersucht den unveräußerlichen Kernbereich der Leitungstätigkeit des Vorstands einer Aktiengesellschaft. Die Arbeit begegnet damit dem haftungsträchtigen Spannungsverhältnis, in dem sich die Mitglieder des Vorstands einer Aktiengesellschaft befinden: Einerseits müssen sie gemäß § 76 Abs. 1 AktG die Aktiengesellschaft leiten, woraus gefolgert wird, dass sie die Leitung nicht übertragen dürfen. Andererseits erfordert eine effiziente Unternehmensorganisation gerade auch die Delegation von Leitungsaufgaben. Ziel der hier entwickelten, aktienrechtlichen Kernbereichslehre ist es, konkrete Aufgaben des Gesamtvorstands und deren Inhalte zu benennen, damit der Gesamtvorstand erkennen kann, welche Aufgaben er zwingend selbst wahrnehmen muss und welche er übertragen darf.

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3. Kapitel: Unveräußerlichkeit der Leitung

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83 3. Kapitel: Unveräußerlichkeit der Leitung Nachdem nun die Begriffe „Leitung“ und „Geschäftsführung“ definiert und ge- geneinander mittels der erarbeiteten Kriterien abgegrenzt worden sind, kann in diesem Kapitel der Grundsatz der Unveräußerlichkeit der Leitung eingehend untersucht werden. A. Der Grundsatz der Unveräußerlichkeit der Leitung Der Grundsatz der Unveräußerlichkeit der Leitung454 ist ein bedeutender Eckpfei- ler der aktienrechtlichen Organisationsverfassung.455 Umso mehr verwundert es, dass seine „dogmatische Durchdringung“ noch aussteht:456 Meist wird nur apo- diktisch festgestellt, dass die Leitungsaufgabe nicht übertragen werden könne.457 Oder es werden nur einzelne Fragen untersucht, die die Praxis durch die Ge- staltung der Unternehmensleitung – oftmals voran getrieben von der Betriebs- wirtschaft – herauf beschwört,458 ohne diese in einen größeren Zusammenhang mit dem Gegenstand und der Reichweite des Verbots der Leitungsdelegation zu stellen. Ziel dieses Kapitels ist es, das was unveräußerlich ist,459 herauszuarbei- ten. Gelingen kann dies nur, wenn man den Grundsatz der Unveräußerlichkeit kritisch beleuchtet und dogmatisch richtig verankert: 454 Synonym dazu wird im Folgenden auch „Delegationsverbot der Leitung“ oder „Verbot der Leitungsdelegation“ verwandt. 455 Fleischer, in: FS Schwark, S. 137 f. bezeichnet den Grundsatz als „allseits anerkannt“; Veil, Unternehmensverträge, S. 78; kritisch dazu jedoch Seibt, in: FS Karsten Schmidt, S. 1463 ff. 456 Fleischer, ZIP 2003, 1 f. 457 So z. B. Hüffer/Koch, AktG, § 76 Rn. 8 a.E; GK/Kort, in: AktG, § 76 Rn. 34. 458 Wie z. B. die Spartenorganisation, die sich seit den 1960er...

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