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700 Jahre Boccaccio

Traditionslinien vom Trecento bis in die Moderne

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Edited By C. Bertelsmeier-Kierst and Rainer Stillers

In diesem Band werden neue Ergebnisse vorgestellt, die anlässlich des 700. Geburtstages Giovanni Boccaccios 2013 im interdisziplinären Dialog zwischen Literaturwissenschaftlern, Historikern, Sozial- und Medienwissenschaftlern in Marburg ausgetauscht wurden. Vor allem sein Hauptwerk in Volgare, das Decameron (Zehntagewerk, eine geistreiche Anspielung auf das Hexameron, das Sechstagewerk der Schöpfungsgeschichte), hat die Literatur und Kunst Europas nachhaltig beeinflusst. Geprägt von zwei Kulturen, dem kommunalen Leben der Republik Florenz und der französischen Hofkultur Neapels, gelingt es Boccaccio, zuvor getrennte Welten, antike Philosophie und höfische Liebe, lateinische und volkssprachliche Diskurse zusammenzuführen.

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Pier Paolo Pasolinis ‘Decameron’ (1971): Ein cinematographischer Beitrag zur Kulturkritik (Ingo Herklotz)

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Ingo Herklotz Pier Paolo Pasolinis ‘Decameron’ (1971) Ein cinematographischer Beitrag zur Kulturkritik I. Für die Kinokultur des 20. Jahrhunderts blieben die vielfältigen Erzäh- lungen aus Boccaccios ‘Decameron’, wie kaum anders zu erwarten, nicht ohne nachhaltige Wirkung. Mit Titeln wie ‘Il Decamerone proibito’, ‘De- cameroticus’, ‘Novelle licenziose di vergini vogliose’ und ‘Racconti proi- biti di nulla vestiti’ versuchte gerade das in den siebziger Jahren blühende Genre des erotischen Films immer wieder, sein Publikum anzulocken.1 Nicht nur die Inhalte, auch die Episodenstruktur der Vorlage bot sich für eine Ausschlachtung als Sexfilm an. Als der im Herbst 1970 gedrehte Film Pasolinis am 25. August 1971 in die Kinos kam, reagierten einzelne Kriti- ker – vorschnell und ohne wirkliche Kenntnis des Autors – ganz so, als sei diese Umsetzung der Novellensammlung unter dem gleichen Vorzeichen entstanden: Sex sells. Über Oberflächlichkeit und Bildungsporno wusste man sich in der deutschen Presse zu erheben, die mit der ihr nun wieder eigenen Oberflächlichkeit so weit ging, Parallelen zu den Produktionen eines Alois Brummer zu ziehen.2 Für den Dichter, Romancier, politischen Essayisten und spätberufe- nen Regisseur Pier Paolo Pasolini (1922–1975), seit Mitte der fünfziger Jahre das unumstrittene enfant terrible der italienischen Kulturszene, wurde das ‘Decameron’ tatsächlich zu seinem größten kommerziellen 1 Eine Liste einschlägiger Machwerke, die überwiegend in der Pasolini-Nach- folge entstanden, gibt K. J. Harty, The Decameron on Film, in: Approaches to teaching Boccaccio’s Decameron, hg. von J. H. McGregor, New York 2000, S. 164–171,...

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