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Revision in Permanenz

Studien zu Jean Amérys politischem Ethos nach Auschwitz

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Edited By Sylvia Weiler and Michael Hofmann

Der Band befasst sich mit Jean Améry, einem der wichtigsten Autoren «nach Auschwitz», und seinem Verhältnis zu zeitgenössischen Diskursen nach 1945. Jean Améry hat mit seinem essayistischen Werk Maßstäbe für die Reflexion des «Zivilisationsbruchs» gesetzt und dabei persönliche Erfahrungen mit philosophischen Perspektiven verknüpft. Die hier versammelten Aufsätze verdeutlichen Amérys ethische Positionen, seinen Beitrag zur Literatur- und Kulturkritik und seine politische Philosophie. Er setzte sich mit dem Existentialismus, der Kritischen Theorie, dem (Post-)Strukturalismus, der Studentenbewegung und den Debatten um die Sicherheit des Staates Israel auseinander und stand mit vielen wichtigen Autoren der Zeitgeschichte in Kontakt. Die Darstellungen zeigen, dass Améry ein exemplarisches politisches Ethos entwickelte, das sich in radikaler Offenheit den Erfahrungen der Shoah stellte und Maßstäbe für eine reflektierte Zeitgenossenschaft nach 1945 setzte.

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Epilog

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Robert Schindel Wuschel Bemerkungen zur Leidensgeschichte jüdischer Identität – Eins wollte ich nur noch sagen, sagte er. Irland hat, sagt man, die Ehre, das einzige Land zu sein, das niemals die Juden verfolgt hat. Wussten Sie das? Nein. Und wissen Sie war- um? Die klare Luft brachte ein strenges Runzeln auf seine Stirn. – Warum, Sir? fragte Stephen und begann zu lächeln. – Weil es sie nie hereingelassen hat, sagte Mr. Deasy feierlich. James Joyce/Hans Wollschläger: Ulysses Kennt noch das Wasser des südlichen Bug, Mutter, die Welle, die Wunden dir schlug? Weiß noch das Feld mit den Mühlen inmitten, wie leise dein Herz deine Engel gelitten? Kann keine der Espen mehr, keine der Weiden, den Kummer dir nehmen, den Trost dir bereiten? Und steigt nicht der Gott mit dem knospenden Stab den Hügel hinan und den Hügel hinab? Und duldest du, Mutter, wie einst, ach, daheim, den leisen, den deutschen, den schmerzlichen Reim? Paul Celan: Der Sand aus den Urnen 1. Draußen bleiben Identitäten werden überschätzt. Wer bin ich schon, bloß weil ich hier auf Er- den anwesend bin. Einer, der wie jeder von woher kommt und – verdammt – irgendwohin geht. Ein Etwas, das einen durch alle Veränderungen hindurch Robert Schindel194 als Gleichbleibendes zu begleiten scheint, gehört einem womöglich gar nicht oder gehört einem so, wie der Nasenring dem Tanzbären gehört. Vermutlich ist Identität lediglich Zuschreibung. Nun kommts aber auf die Autoren an, die da zuschreiben,...

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