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Die Palingenesie der römischen Vormundschaftsgesetze

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Nikola Georgia Galaboff

Die Möglichkeit, im klassischen römischen Recht Unmündigen und Frauen auf behördlichem Weg einen Vormund zu bestellen, geht auf die lex Atilia und die lex Iulia et Titia zurück. Diese Vormundschaftsgesetze sind der Nachwelt jedoch nicht erhalten. Die Autorin rekonstruiert einzelne Klauseln unter besonderer Berücksichtigung des sie prägenden sozio-kulturellen Rahmens. Als Grundlage dient hierbei das bekannte Phänomen der Verwendung sogenannter Spolien, also die Übernahme von Fragmenten aus älteren Gesetzen bei der Abfassung von neuen Gesetzen. So können aus den überlieferten normativen Quellen zur tutela decretalis einzelne Textteile, deren Ursprung sowohl in der lex Atilia als auch in der lex Iulia et Titia zu vermuten ist, gewonnen werden.

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Einleitung

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Im Rahmen der Beschäftigung mit dem römischen Vormundschaftsrecht wird man zunächst feststellen, dass es hierzu bereits eine Vielzahl sowie Vielfalt an Arbeiten gibt. Recht schnell gelangt man jedoch zu der Erkenntnis, dass es sich in den meisten Fällen um umfassende rechtsdogmatische Darstellungen und ab- strakte Synthesen handelt, die in hohem Maße von der Methodik der Pandek- tistik geprägt sind. Sie konzentrieren sich von ihrem Anspruch her weniger auf einzelne problematische Teilaspekte der tutela und bemühen sich daher auch nur selten um eine Zusammenführung juristischer Daten mit sozialen oder his- torischen Ereignissen.1 Gerade bei der Sichtung und insbesondere Bewertung älterer Literatur ist zu- dem zu beachten, dass viele Quellen zum Vormundschaftsrecht der Wissenschaft erst im Laufe des 19. bzw. 20. Jahrhunderts zugänglich gemacht werden konnten. Vor diesem Hintergrund ist es aber auch nicht verwunderlich, wenn in ihnen so manches Problemfeld unerwähnt bleibt. Einige der mittlerweile zuverlässig rekonstruierten normativen Texte zur tutela beziehen sich auf die (uns nicht überlieferten) römischen Vormundschaftsgesetze, die das behördliche Verfah- ren der datio tutoris in Rom und in den Provinzen bzw. in Italien regelten. Die Bereicherung durch die jüngsten Quellenfunde führte zu einer Erweiterung des Kontexts im Bereich des Vormundschaftswesens und schuf damit neue Räume zur Interpretation. Dennoch haben von den zeitgenössischen Rechtshistorikern bislang nur sehr Wenige einen palingenetischen Versuch gewagt. Zuletzt wid- mete sich Dieter Nörr in eindrucksvoller Weise der komplexen und schwierigen Thematik in seiner Abhandlung „Zur...

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