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Bildungspolitik im Kaiserreich: Die Thun-Hohenstein’sche Universitätsreform insbesondere am Beispiel der Juristenausbildung in Österreich

Die Thun-Hohenstein´sche Universitätsreform insbesondere am Beispiel der Juristenausbildung in Österreich

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L. M. Graf von Thun und Hohenstein

Das Buch untersucht das Reformwerk ebenso wie die Person des österreichischen Reformers Leo Thun-Hohenstein und widmet sich auch den gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen der Epoche. Noch während der Revolution von 1848 erkannte das österreichische Kaiserhaus, dass nur eine fundamentale Reform des Bildungssystems die revolutionäre Stimmung an den Universitäten befrieden könnte. Leo von Thun-Hohenstein setzte die ihm vom Kaiser gestellte Aufgabe als Unterrichtsminister von 1849–1860 trotz teils heftiger Widerstände um. Bis heute beeinflusst die Reform des Leo Thun-Hohenstein das österreichische Bildungswesen.

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6. Die Reform der juristischen Ausbildung

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6.1. Die Entwicklung der Studienordnung für die juristische Fakultät 6.1.1. Die unmittelbaren Folgen der ersten Reformschritte Alle Reformen der Hochschulorganisation, der Neuordnung des Studienbetriebs wie der Ausbildung und Prüfungsordnungen waren ausdrücklich als „proviso- risch“ deklariert. Dies entsprach der Herausforderung, die Neugestaltung des Hochschulstudiums im Rahmen einer Universität umsetzen zu müssen, die in den Jahrzehnten des Vormärz erstarrt war, mit der lange gewährten Autonomie aber plötzlich das verwirklichen sollte was ihr über Jahrzehnte strengstens verbo- ten war. Für diese Aufgabe stand ihr anfangs im Wesentlichen nur das Personal zur Verfügung, das die restriktiven Studienbedingungen des Vormärz zumindest hingenommen, in der Praxis jedenfalls administriert hatte697. Die Durchführung der Reformen war daher ein Experiment, das zudem am deutschen Vorbild und damit an nicht vergleichbaren äußeren Voraussetzungen orientiert war698. Die provisorische Natur der reformbegleitenden Rechtsakte diente so zwangsläufig dazu, zunächst Erfahrungen zu sammeln und diese in spätere definitive Rege- lungen einzubeziehen. Auch ist anzunehmen, dass die Deklaration der Neure- gelungen als provisorisch den Widerstand der „bewahrenden Kräfte“ reduzieren sollte. Aus deren Sicht mag nicht zwingend nachvollziehbar gewesen sein, war- um das Kaiserreich den Kampf gegen die Revolution gewonnen hatte, in Folge dieses Sieges aber deren Forderungen erfüllen sollte. Besonders an den kleine- ren Universitäten scheint das Unverständnis der Professoren groß gewesen zu sein699. Aber auch von Baumgartner, der Vizepräsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, stand dem Gedankengut des Vormärz näher...

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