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Paarformeln in mittelalterlichen Stadtrechtstexten

Bedeutung und Funktion

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Frauke Thielert

Die Autorin untersucht den seit Jakob Grimm in der Forschung diskutierten Gegenstand der Paarformel anhand der spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Textsorte der Stadtrechtsbücher. Sie behandelt 20 Texte, die sich auf den gesamten deutschen Sprachraum verteilen und den Zeitraum vom 13.–15. Jahrhundert abdecken. Die Analyse ist nach sehr weit gefassten modernen Rechtsbegriffen wie «natürliche Person» oder «Körperverletzung» strukturiert, die jenseits ihrer historischen Andersartigkeit als Grundtatsachen des menschlichen Lebens gelten können. Ausgehend von der Annahme, dass Paarformeln als Mittel zur Erfassung rechtsrelevanter Begrifflichkeiten dienen, berücksichtigt die Autorin neben Verwendung und Bedeutung auch die Funktion von Paarformeln im jeweiligen Kontext.

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IV. Stadtrecht – Städtisches Recht

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Die Entwicklung eines – als Gegensatz zum Landrecht begriffenen – eigenen städtischen Rechts wird seit jeher als eine der herausragenden Leistungen der mittelalterlichen Stadt verstanden, was ihr auch die Bezeichnung ‚Rechtsstadt‘ eingebracht hat. Basierend auf verschiedenen Quellen, zu denen u.a. auch das Landrecht gehört, entwickeln sich im Laufe des Mittelalters im Stadtrecht ver- schiedene Bereiche, so dass im spätmittelalterlichen Stadtrecht eine klare Unter- scheidung „von Privatrecht, Strafrecht (beide teilweise mit dem Prozessrecht verbunden), polizei- lichem Ordnungsrecht, Verwaltungsrecht, getrennt von der inneren und äußeren Ver- fassung der Stadt“407 möglich ist.408 Als Quellen des städtischen Rechts werden zumeist Landrecht, Kauf- mannsrecht sowie die Kaufmannsgewohnheiten und die Rechte der Handwerker- vereinigungen genannt.409 Diese werden dann mit Ausbildung der kommunalen Stadt um erweiterbare, aber auch entziehbare stadtherrliche Privilegien und von Rat und Bürgergemeinde selbst gesetzte Statuten oder Willküren erweitert.410 Nach und nach werden die häufig nur mündlich tradierten landrechtlichen Bestandteile 407 Bader/Dilcher: Rechtsgeschichte, S. 601. 408 vgl. Bader/Dilcher: Rechtsgeschichte, S. 600f., vgl. hierzu auch: Gerhard Dilcher: „Hell, verständig, für die Gegenwart sorgend, die Zukunft bedenkend“. Zur Stellung und Rolle der mittelalterlichen deutschen Stadtrechte in einer europäischen Rechts- geschichte, in: Bürgerrecht und Stadtverfassung im europäischen Mittelalter, Köln 1996, S. 243–279. 409 vgl. Gerhard Dilcher: Personale und lokale Strukturen kaufmännischen Rechts als Vorformen genossenschaftlichen Stadtrechts, in: Gilde und Korporation in den nord- europäischen Städten des späten Mittelalters, hrsg. v. Klaus Friedland, Köln/Wien 1984, S. 70ff....

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