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Die Gesetzgebungslehre im Bereich des Privatrechts bei Christian Thomasius

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Takashi Izumo

Was können Rechtsvergleich und Rechtsgeschichte leisten? Der Autor beantwortet diese Frage mit Blick auf die Gesetzgebungslehre des deutschen Juristen und Philosophen Christian Thomasius (1655–1728). Er weist nach, dass dessen Gesetzgebungslehre sich im Bereich des Privatrechts grundsätzlich durchsetzte und auf die Gesetzgebung der frühen Neuzeit großen Einfluss hatte, obwohl Thomasius kein originales Gesetzbuch verfasste. Der Jurist war der Meinung, man könne durch Rechtsvergleich vermuten, dass eine heimische Sitte, die den gemeinsamen Sitten vieler Völker bzw. dem Völkergemeinrecht entspreche, geeignet sei, ins Gesetzbuch aufgenommen zu werden. Er stützte diesen Vergleich durch historische Betrachtungen.

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7. Zusammenfassung

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303 7. Zusammenfassung 1. Im 17. Jahrhundert hat es noch den Streit gegeben, ob ein Kurführst in seinem Territorium ein eigenes Gesetzbuch haben sollte oder nicht. Samuel Stryk, der einer der damaligen berühmtesten Juristen und ein Kollege von Christian Thomasius gewesen ist, hat gemeint, man brauche keine neue Gesetzgebung, weil man durch Usus modernus Pandectarum die juristische Unordnung in Deutschland verbessern könne. Das heißt, man könne die Rechtspraxis des römischen Rechts in Deutsch- land weiter fortsetzen. Dagegen haben Thomasius und Leibniz geglaubt, dass man in Deutschland ein neues Gesetzbuch haben sollte, um die deutsche Justiz neu zu ordnen. In der Frage, wie man ein Gesetzbuch verfassen sollte, geht Thomasius nicht mit Leibniz konform, der gemeint hat, man solle so genau wie möglich dem Justiniani- schen Recht folgen. Leibniz hat in diesem Zusammenhang das Justinianische Recht hoch eingeschätzt, wohingegen Thomasius dieses Recht stark kritisiert hat. Seiner Meinung nach sollte der Gesetzgeber eher das deutsche Recht beachten, das sich in den deutschen Sitten widerspiegele und im Sachsenspiegel kompiliert worden sei. Diese Meinung stützt sich jedoch auf eine falsche Voraussetzung und zwar hat Thomasius angenommen, der Sachsenspiegel sei eine Sammlung der deutschen guten Sitten. Nach heutigem Wissen ist aber klar, dass der Sachsenspiegel keine Sammlung der deutschen Sitten und Gewohnheiten, sondern ein Gemisch ist, das auch römisches und kanonisches Recht enthält. Dieses Missverständnis belehrt uns noch heute, dass eine EIGENE oder HEIMISCHE Kultur manchmal ein Gemisch sein kann, in der verschiedene...

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