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«Les queues de siècle se ressemblent»: Paradoxe Rhetorik als Subversionsstrategie in französischen Romanen des ausgehenden 19. und 20. Jahrhunderts

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Anne Effmert

Die Literaturkritik hat immer wieder Vertreter des französischen Gegenwartsromans unter den Schlagworten Fin de Siècle und Dekadenz verortet. Die Autorin macht sich die systematische Aufarbeitung dieser meist oberflächlich gebliebenen Annäherung zur Aufgabe. Anhand einer kontrastiven diskursanalytischen Lektüre ausgewählter Romane von Michel Houellebecq, Maurice G. Dantec, J.-K. Huysmans und Octave Mirbeau zeigt sie, dass die Autoren in ihren Texten nicht nur vergleichbare Motive reproduzieren, sondern darüber hinaus eine charakteristische Subversionsstrategie verfolgen. Diese kann als paradoxe Rhetorik beschrieben werden und hat allen Romanen eine vergleichbar kontroverse Rezeption eingebracht.

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3. Paradoxer Fortschritt: von der Embryologie zum Internet

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Während die in den Romanen des Fin de Siècle und des Fin-de-(XXe)-Siècle ver- handelten politisch korrekten Diskurse wie gezeigt erheblich voneinander abwei- chen, da sich der „discours social“ grundlegend gewandelt hat, wird der jeweils zeittypische Diskurs über den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt in beiden hier behandelten Literaturproduktionen subversiv verarbeitet, denn die Frage nach der Bedeutung des Fortschritts für die Gesellschaft hat sowohl die öf- fentliche Diskussion des endenden 19. als auch des ausgehenden 20. Jahrhunderts nachhaltig geprägt. Pierre-André Taguieff misst der modernen Fortschrittsidee166 eine geradezu sakrale Bedeutung bei: Le culte de l’avenir et la foi dans le Progrès […] représentent les deux piliers sur les- quels repose la religion civile des Modernes. […] Leur synthèse classique aura été, du XVIIe siècle commençant au XXe finissant, la croyance aveugle en un avenir toujours meilleur. Le progrès imaginé global constitue un mouvement du moins bien vers le mieux […] une marche ascendante supposée nécessaire et irréversible.167 Während allerdings die Doxa das Konzept des Fortschritts positiv semantisiert und mit einer Verbesserung der Lebensumstände des Menschen gleichsetzt, kenn- zeichnen sich die Texte des hier zugrunde liegenden Korpus scheinbar durch eine geradezu fortschrittsfeindliche Haltung. Die Ablehnung des Fortschritts ist sogar immer wieder als ein zentrales Distinktionsmerkmal der Dekadenzliteratur ange- führt worden: „Opposed, therefore, to the advances in science and progress, the decadent hero celebrated the decline of civilisation by claiming to immortalise in art a world on the brink...

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