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Accept Diversity! Accept Equality?

Eine analytische Untersuchung des Anspruchs und der Realität von Gleichstellung in der Filmindustrie mit Hinblick auf die Funktion des internationalen Filmfestivals Berlinale

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Mahelia Hannemann

Die Berlinale fordert jährlich Diversität. Doch bezieht sich diese auch auf das Genderverhältnis? Welchen Einfluss haben die Filmfestspiele in der Branche, um solche Werte durchzusetzen? Die «Berlinale der starken Frauen» genau analysierend stellt die Autorin Relationen zum aktuellen Filmschaffen und ausgewählten Aspekten der Filmgeschichte her. Dabei werden sowohl kulturelle Mechanismen als auch wirtschaftliche Hürden und selektive Presseresonanzen sowie filmästhetische und dramaturgische Vorbehalte gegenüber Regisseurinnen diskutiert. In ihrer Studie gelingt es der Autorin ein Verständnis dafür zu entwickeln, dass die Berlinale kein bloßer Spiegel einer Filmlandschaft ist, sondern aktiv sucht, selektiert und, wie Thomas Elsaesser es formuliert, Filme wie ein Herzmuskel in verschiedene Organe pumpt.

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Einführung

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2014, in der Phase der Themendefinition dieses Buches, entfachte sich im An- schluss an einen Artikel über Förderverteilungen in Deutschland eine neue Debatte über die Frauenquote in der Film- und Fernsehindustrie (s. Wietstock 2014a). Diesmal hatten sich 12 ehrenamtliche und ca. 250 unterstützende Re- gisseurinnen zum Verein ProQuote-Regie zusammen gefunden und mit wissen- schaftlicher Genauigkeit erhoben, welch große Schieflage immer noch herrscht: Zwar sind 42% der RegieabsolventInnen deutscher Filmhochschulen weiblich, doch werden nur 22% aller in Deutschland produzierten fiktionalen Filme mit einem Budget von unter fünf Millionen Euro von Frauen inszeniert. Kinofilme mit höherem Budget zeigen nur noch einen Anteil von 10%. Im fiktionalen Be- reich der Fernsehproduktionen beläuft sich der Anteil auf 11% (s. Gronenborn, Freytag 2014, 34f., 69). Es folgten andere Studien, die belegten, dass in den USA Frauen in ‚Above-the-Line‘-Positionen1 nur zu 10% vertreten sind (s. Prommer, Loist 2015, 2). So stellte sich die Frage, wo die Ursachen für eine solch geringe Beteiligung von Frauen an mächtigen Stellen des Kulturguts Film zu suchen sind: in der Sozialisation der Frauen selbst, die sich unbewusst einem gegenderten Rollenbild anpassen, in der Ausbildung, die eine vermeintliche Geschlechter- gerechtigkeit suggeriert und Film-Alumni unvorbereitet auf den Arbeitsmarkt entlässt, oder in den Konventionen der männlich geprägten Arbeitswelt, die den Lebensrealitäten und Bedürfnissen von Frauen nicht gerecht wird? Es lässt sich vermuten, dass es sich um einen übergreifenden Komplex handelt, den es von verschiedenen Seiten zu untersuchen gilt. Gerade...

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