Show Less

Anstaltsbeiräte zwischen normativem Anspruch und tatsächlicher Praxis

Eine empirische Analyse der Beiratstätigkeit an baden-württembergischen Justizvollzugsanstalten

Series:

Julia Prieschl

Anstaltsbeiräte sind von der Vollzugsverwaltung unabhängige Gremien in den Justizvollzugsanstalten, in denen sich Bürger ehrenamtlich engagieren. Ihre Aufgaben, Rechte und Pflichten sind in Baden-Württemberg in § 18 des ersten Justizvollzugsgesetzbuchs geregelt. Die Autorin befasst sich mit der Frage, welche Funktionen den Anstaltsbeiräten in Bezug auf ihre Tätigkeit im Strafvollzug und ihr Wirken in der Gesellschaft auf normativer Ebene zugewiesen werden. Die Praxis der Beiratstätigkeit in Baden-Württemberg wird nach den Angaben der Anstaltsbeiräte beschrieben. Durch Gegenüberstellung von normativem Anspruch und tatsächlicher Praxis zeigt die Autorin die Wirkungsmöglichkeiten der Anstaltsbeiräte im Strafvollzug Baden-Württembergs auf. Sie analysiert vorhandene Schwächen in der Beiratstätigkeit und leitet Vorschläge für Veränderungen auf theoretischer und praktischer Ebene her.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

1. Kapitel: Einführung

Extract

1. Problemstellung Im April 2010 ermordete ein Insasse der Justizvollzugsanstalt Remscheid seine Freundin in einem Langzeitbesuchsraum und versuchte danach, sich selbst das Le- ben zu nehmen. „Bluttat in der Liebeszelle“1 titelte damals die Onlineausgabe eines Magazins. Seitdem im Jahre 2006 drei junge Gefangene in der Justizvollzugsanstalt Siegburg einen Mitgefangenen töteten, mit dem sie in einer überbelegten Zelle gemeinsam untergebracht waren, wurden in der Presse weitere aufsehenerregende Fälle von Gefangenenmisshandlungen durch Mithäftlinge und Gefängnisausbrü- chen berichtet2, wodurch dem Strafvollzug wieder vermehrt öffentliche Aufmerk- samkeit geschenkt wurde. In den Medien herrscht fortwährend reges Interesse am Justizvollzug. Dieses beschränkt sich jedoch meist auf skandalträchtige Einzelereignisse, die das Potential haben, in der Öffentlichkeit für besonderes Aufsehen zu sorgen und dadurch die Auflagen zu steigern. Die Behandlung solcher Gefängnisskandale in der Presse ist jedoch nur eingeschränkt dazu geeignet, die Bevölkerung sachlich über die Proble- me des Strafvollzugs zu informieren. Schlagzeilen wie „Horror im Jugendknast“3 und eine entsprechend sensationsgetriebene Skandalberichterstattung führen lediglich dazu, dass sich die Menschen in ihrer Auffassung bestätigt sehen, dass „Folterexzes- se in deutschen Gefängnissen keine Einzelfälle“4 sind, sondern dort zu den alltägli- chen Begebenheiten gehören. Solche Publikationen greifen meist nur die negativen Aspekte der Haftbedingungen in einer Justizvollzugsanstalt heraus und suggerieren auf diese Weise der Öffentlichkeit ein Bild des Strafvollzugs als „anarchistische“ Institution, in der die Insassen weiterhin ungestört ihren kriminellen Neigungen nachgehen können, anstatt Besserung zu erfahren. Hieran...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.