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Die Kriegsrechtfertigung in der attischen Rhetorik des 4. Jh. v. Chr.

Vom Korinthischen Krieg bis zur Schlacht bei Chaironeia (395–338 v. Chr.)

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Thomas Bounas

Das Spektrum des Argumentierens über die Begründung und Rechtfertigung des Krieges in der attischen Rhetorik des 4. Jh. v. Chr. gestaltete sich breiter und komplexer als bisher angenommen. Der Autor analysiert einschlägige historische Reden und publizistische Ausarbeitungen, die unmittelbar Bezug auf Einstellungen und Mehrheitsmeinungen der damaligen Zeit genommen haben. Neben dem formalen Recht stehen auch ethische Aspekte sowie die Frage nach dem materiellen und machtpolitischen Nutzen im Mittelpunkt. Durch eine vergleichende Analyse von Texten des Andokides, Lysias, Isokrates und Demosthenes wird eine systematisierende Bilanz zur konzeptionellen Klassifizierung der Kriegsrechtfertigungen gezogen.

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II. Andokides

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35 II. Andokides 1. Athen und Sparta am Anfang des 4. Jh. Im Jahr 404/3 errang Sparta durch seinen Sieg im Peloponnesischen Krieg die ab- solute Vormachtstellung in der griechischen Staatenwelt. Die athenische Volksver- sammlung musste den harten Bedingungen des Kapitulationsvertrags zustimmen. Dazu gehörte der Eintritt in den Peloponnesischen Bund; Athen wurde somit von Sparta zur Heeresfolge bei Defensiv- und Offensivunternehmungen verpflichtet.1 Doch bereits einige Jahre später begann Athen eine Politik der Distanzierung von Sparta und suchte neue Allianzen. Politische Kräfte in Athen drängten auf eine enge Zusammenarbeit mit Persien, sodass im Jahr 397 eine athenische Gesandtschaft zum persischen Großkönig Artaxerxes II. geschickt wurde.2 Zusätzlich unterstützte die Stadt durch Entsendung von Schiffsmannschaften und Waffenlieferung den athe- nischen Feldherrn Konon3, der im Jahr 397 zum Nauarchen der neu aufzubauenden persischen Flotte ernannt worden war.4 Offenbar war der Großkönig zu diesem Zeitpunkt durchaus an einer Zusammenarbeit mit Athen und anderen griechischen Poleis interessiert. Motivation hierzu war nicht nur die neue hegemoniale Stellung Spartas, sondern auch dessen Entschluss, die Befreiung der kleinasiatischen Städte von der Perserherrschaft voranzutreiben. Im Rahmen dieser Politik unterstützen die Lakedaimonier auch Kyros, den jüngeren Bruder des Großkönigs, der den per- sischen Thron beanspruchte, und sandten nach dessen Tod (401) Truppen, seit 396 sogar ihren König Agesilaos – allerdings ohne Beteiligung Athens – zum Kampf 1 Die Friedensbedingungen waren Folgende: Athen musste alle auswärtigen Besitzun- gen abtreten, die langen Mauern und die Mauern von Peiraius...

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