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Der IX. Pädagogische Kongress am Ende der DDR

Heike Kaack

Der IX. Pädagogische Kongress am Ende der DDR zeigt exemplarisch die gewaltigen Anstrengungen, die die SED unternahm, um ihren Führungsanspruch zu sichern. Die Autorin untersucht, wie er die Hoffnungen vieler Bürger auf dringend notwendige Reformen des erstarrten und ideologisch überfrachteten Bildungssystems enttäuschte. Die fehlende Bereitschaft zu einem grundlegenden Kurswechsel beschleunigte nicht nur die Implosion der DDR, sie erschwerte auch die deutsch-deutschen Bildungsverhandlungen im Vorfeld der Wiedervereinigung erheblich. Dieses Buch zeigt, wie die knappe Zeitspanne bis zum 3. Oktober 1990, die unterschiedlichen Erwartungshaltungen sowie die Unerfahrenheit der DDR-Verhandlungsführer die einmalige Gelegenheit verstreichen ließen, den Vereinigungsprozess für eine gesamtdeutsche Bildungsreform zu nutzen.

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4. Der Kongress wird inszeniert

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Beginn der Kongressvorbereitungen Am 9. März 1988, wenige Wochen nach dem Beschluss des Politbüros des ZK der SED vom 19. Januar 1988, den IX. Pädagogischen Kongress für die Zeit vom 12.–15. Juni 1989 nach Berlin einzuberufen, teilte die HA XX/8 des MfS der HA XX/Koordination schriftlich mit, dass einen Tag zuvor im Ministerium für Volksbildung unter Leitung des Staatssekretärs Lorenz die erste Beratung einer Arbeitsgruppe zur politisch-organisatorischen Vorbereitung des Kongresses statt- gefunden habe. Sie setze sich aus Vertretern des Ministeriums, des Ministerrates, der Gewerkschaft Unterricht und Erziehung, des Verlages Volk und Wissen und des Zentralrates der FDJ zusammen. Ihr sei ein Organisationsbüro als „ständiges Arbeitsorgan“ unterstellt. Die Ministerin erwarte bis zum 10.5.1988 einen de- taillierten Organisationsplan.151 Da der HA XX/8 zu diesem Zeitpunkt auch der vorgesehene Kongressablauf bereits bekannt war, konnte sie diese Information ebenfalls gleich weitergeben. Ihr abschließender Vorschlag, auf der Grundlage des angeforderten Organisationsplanes über die AKG (Auswertungs- und Kontroll- gruppe) der HA XX „die Einleitung erforderlicher Maßnahmen zur Sicherung zu veranlassen“152, markierte den Beginn einer umfassenden Überwachung aller einzelnen Schritte der Planung, Vorbereitung und Durchführung des Kongresses sowie einer akribisch zusammengetragenen, detaillierten Berichterstattung über alle mit dem Kongress in Zusammenhang stehenden Reaktionen und Äußerun- gen von DDR-Bürgern, die dieses Mal in weit größerer Anzahl als bei früheren Kongressen üblich zu der geplanten Großveranstaltung Stellung bezogen. Die grundsätzliche Zielrichtung der vom MfV eingereichten Vorlage zur Ein- berufung des IX....

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