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Der IX. Pädagogische Kongress am Ende der DDR

Heike Kaack

Der IX. Pädagogische Kongress am Ende der DDR zeigt exemplarisch die gewaltigen Anstrengungen, die die SED unternahm, um ihren Führungsanspruch zu sichern. Die Autorin untersucht, wie er die Hoffnungen vieler Bürger auf dringend notwendige Reformen des erstarrten und ideologisch überfrachteten Bildungssystems enttäuschte. Die fehlende Bereitschaft zu einem grundlegenden Kurswechsel beschleunigte nicht nur die Implosion der DDR, sie erschwerte auch die deutsch-deutschen Bildungsverhandlungen im Vorfeld der Wiedervereinigung erheblich. Dieses Buch zeigt, wie die knappe Zeitspanne bis zum 3. Oktober 1990, die unterschiedlichen Erwartungshaltungen sowie die Unerfahrenheit der DDR-Verhandlungsführer die einmalige Gelegenheit verstreichen ließen, den Vereinigungsprozess für eine gesamtdeutsche Bildungsreform zu nutzen.

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5. Die Eingaben

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In ihrer in der DLZ veröffentlichten Information an die Mitarbeiter des MfV und die Bezirksschulräte über den Beschluss des Politbüros und des Ministerrates zur Einberufung des IX. Pädagogischen Kongresses vom 12. bis 15. Juni 1989 forderte Margot Honecker zwar „alle“ dazu auf, im Vorfeld des Kongresses mit konstruktiven Vorschlägen und Ideen zur Weiterentwicklung der Volksbildung beizutragen. Doch dieser in der Folgezeit oft aus dem Kontext herausgelöste Satz weckte bei den Bürgern falsche Erwartungen. Sie gewannen den Eindruck, dass die Ministerin inzwischen bereit war, auch über neue Strategien in der Bildungs- und Erziehungsarbeit nachzudenken.304 Aber das stand von vornherein nicht zur Diskussion. So sagte sie u. a.: „Die Vorbereitung des Kongresses wird eine Zeit angestrengter Arbeit sein. Neues ist zu bewältigen, Begonnenes in hoher Qualität fortzuführen, noch nicht Erreichtes zu meis- tern. Alle sind gefordert, ihre Gedanken und Ideen, ihre Erfahrungen und Erkenntnisse einzubringen, aufs neue zu überdenken, was zu tun ist, um die Bildungs- und Erzie- hungsarbeit weiter zu qualifizieren. Aufgabe aller Direktoren, aller Leitungen des Volks- bildungswesens ist es, das Bemühen aller Pädagogen, aller Kollektive um hohe Qualität der täglichen Arbeit weiter zu fördern, die guten Erfahrungen breit zu nutzen, neue Impulse zu geben, im ständigen Dialog mit den Lehrern und Erziehern zu sein. […]“305 Damit wurden die Grenzen klar abgesteckt. Abgesehen davon, dass sich dieser Aufruf wohl in erster Linie an die Mitarbeiter aller Ebenen des Volksbildungsap- parates richtete, waren Wortmeldungen der...

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