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Tätertypologien in der Wirtschaftskriminologie

Instrument sozialer Kontrolle

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Julia Hugendubel

Die präventive Tätertypenbestimmung gilt als effektives Instrument, um Wirtschaftskriminalität zu unterbinden. Vernachlässigt wird dabei jedoch eine Reihe von Nebeneffekten, wie etwa eine ungerechtfertigte Vorverurteilung von Personen. Die Untersuchung konzentriert sich daher auf die Frage, ob Wirtschaftsstraftätertypologien als Instrument sozialer Kontrolle fungieren können. Mit der qualitativen Inhaltsanalyse erfasst die Autorin theoretische wie empirische Studien zur Bestimmung von Wirtschaftsstraftätertypen und zeigt auf, welche Bedeutung Compliance-Maßnahmen in diesem Zusammenhang für die Prävention von Wirtschaftskriminalität haben. Darauf basierend diskutiert sie die Aussagekraft einer Wirtschaftsstraftätertypenbestimmung und prüft diese auf unternehmenspolitische Risiken. Die abschließenden konkreten Handlungsempfehlungen geben wertvolle Impulse für die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität in der Unternehmenspraxis.

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A. Einleitung

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17 A. Einleitung „Spätes Einstiegsalter in die Wirtschaftsdelinquenz und fehlende Vorstrafenbelastung kennzeichnen den Wirtschaftsstraftäter als ‚latecomer to crime‘ […]. Der sonst sozial unauffällige Täter kann nicht an seinem äußeren Erscheinungsbild identifiziert werden. Er hat keine unsanierten Zähne, keine ungepflegte Garderobe und keine Tätowierung auf dem Handrücken und fällt morgens nicht durch Alkoholgeruch auf. Er hat Zu­ gang zu legitimen Erwerbsmöglichkeiten und verfügt deshalb auch über die jeweili­ gen Accessoires seines Berufsstandes, z.B. Garderobe, Uhr, Haarschnitt, Fahrzeug und Visitenkarte.“1 Die Mehrzahl der Wirtschaftsstraftäter unterscheidet sich Hendrik Schnei- der zufolge „signifikant von den Tätern aus dem Spektrum der Elends­ und Straßenkriminalität“2. Trotz dieser geschilderten sozialen Unauffälligkeit gibt es eine Vielzahl von Studien, welche die Bestimmung von Wirtschaftsstraftäter­ typen zum Gegenstand haben. Es existiert ein großes staatliches und privatwirtschaftliches Interesse an der sozialen Kontrolle von Wirtschaftskriminalität. Dieses Interesse folgt aus den durch Wirtschaftskriminalität verursachten großen betriebs­ und volkswirt­ schaftlichen Schäden.3 So betrug die kriminalstatistisch registrierte Schadens­ summe allein im Jahr 2014 in Deutschland fast 5 Mrd. Euro und damit mehr als die Hälfte des Gesamtschadensvolumens aller in der polizeilichen Krimi­ nalstatistik erfassten Straftaten in Höhe von rund 8 Mrd. Euro.4 Konservativen Schätzungen zufolge werden in den USA die finanziellen Kosten jährlich sogar 1 Schneider, NStZ 27 (2007), 555 (557 f.). 2 Schneider, NStZ 27 (2007), 555 (558). 3 Vgl. Bundeskriminalamt (BKA), Wirtschaftskriminalität, Bundeslagebild 2014, http:...

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