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Alterskonzepte und Altersrollen im erzählerischen Werk Theodor Fontanes

Elke Trost

Mit Bezug auf den zeitgenössischen Altersdiskurs untersucht die Autorin Fontanes Darstellung von Alter in den Romanen «Cécile», «Effi Briest», «Der Stechlin», «Frau Jenny Treibel», «Irrungen, Wirrungen» und «Mathilde Möhring». Mit den Methoden der kognitiven und pragmatischen Literaturwissenschaft macht die Figurenanalyse das Alter als soziale Konstruktion sichtbar. Die Interaktion von Autorenstrategie und Leserwahrnehmung ist dabei von besonderer Bedeutung. Das Selbstverständnis der Alten, ihr Verhältnis zu Tradition und Moderne, ihre Beziehung zur jungen Generation und ihre Auseinandersetzung mit Krankheit und Tod bilden die inhaltlichen Schwerpunkte. Die Analyse der Kategorie Alter ermöglicht eine neue Sicht auf die Romane und auf bisher wissenschaftlich weniger diskutierte Figuren.

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2. Alter in „Effi Briest“

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121 2. Alter in „Effi Briest“ Abstract In “Effi Briest”, Fontane differs between positive and negative role models of ageing and at- titudes towards the young generation. Father Briest, pharmacist Gieshübler, the physicians, and the protestant priests represent positive characters, whereas the gentry are against any kind of social change and liberalization of moral standards. „Effi Briest“ unter dem Gesichtspunkt „Alterskonzepte und Figurenmodelle des Alters“ zu untersuchen bedarf einer besonderen Begründung, denn im Zent- rum des Romans stehen die Figur Effis und die mit ihr verbundenen Fragen von Frauenbild, von Ehe und Ehebruch und von gesellschaftlichen Normen und Werten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dennoch wird sich zeigen, dass auch in diesem Roman das Thema Jung – Alt von Bedeutung ist, jedoch mit anderen Akzenten als in Cécile. Ist in Cécile der Konkurrenzkampf zwischen Jung und Alt im Fokus, so ist es in Effi Briest zum einen die Steuerung der Jungen durch die Alten, aber auch die sorgende Begleitung der Jungen. Konkurrenz und Machtkampf sind in „Effi Briest“ mit den alten Frauen aus dem Landadel ledig- lich episodenhaft angedeutet. Während sich Alter in „Cécile“ nur am Beispiel zweier Figuren erörtern lässt, ist das in „Effi Briest“ sehr viel ergiebiger. Hier zeigt Fontane verschiedene Grup- pen alter Menschen, die jeweils unterschiedliche Modelle von Alt-Sein und Alt- Werden repräsentieren, obwohl sie meist ihr Alter selbst nicht thematisieren. Dabei fällt auf, dass die positiven Figuren vom Erzähler viel genauer individua-...

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