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Die Hofnachfolge als Vorbild für die Unternehmensnachfolge

Reformüberlegungen, höferechtliche Tendenzen, Kautelarjurisprudenz

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Anne-Lena Brinkmann

Das Buch umfasst eine Analyse des landwirtschaftlichen Erbrechts im Vergleich mit der Vererbung von Unternehmen. Es leistet einen Beitrag zur theoretischen Diskussion über die erbrechtliche Privilegierung von Unternehmen sowie zur Erarbeitung eines Unternehmenserbrechts de lege ferenda nach dem Vorbild des Höferechts. Der Grundsatz der Gleichbehandlung von landwirtschaftlichen Betrieben und sonstigen Unternehmen im Erbrecht spielt dabei neben den rechtspolitischen Erwägungen eine besondere Rolle. Die Sondererbfolge für Unternehmen wird entwickelt. Im Mittelpunkt steht die angemessene Verteilung der Abfindungs- und Pflichtteilslast zwischen dem Unternehmenserben und den weichenden Pflichtteilsberechtigten.

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Kapitel 3 Die Hofnachfolge nach dem landwirtschaftlichen Erbrecht

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A. Historische Entwicklung des landwirtschaftlichen Erbrechts Das landwirtschaftliche Erbrecht hat eine lange Tradition. Ausgangspunkt war die Realteilung der Höfe im Erbfall. Die Probleme, die diese erbrechtliche Regelung für die Höfe mit sich brachte, wurden durch das Sondererbrecht gelöst. I. Realteilung Die landwirtschaftlichen Güter wurden im Mittelalter im Wege der Realteilung vererbt, so dass die Grundstücke zu gleichen Teilen auf die Miterben übertragen wurden und daher zersplitterten470. Durch die Realteilung im Erbfall wurden auch unter den Adeligen zahlreiche Erbstreitigkeiten und Fehden verursacht, da die Erben die Herrschaftsrechte über die Güter zu gleichen Teilen erhielten471. II. Anerbensitten Nach der Fronhofverfassung waren die Bauern von den adeligen Grundherren ab- hängig und die Grundherren hatten ein Interesse an leistungsfähigen Höfen, damit die Bauern die geforderten Abgaben an sie leisten konnten472. Die „bäuerliche Ein- erbfolge“ war somit ursprünglich im Interesse der adeligen Grundherren eher eine Folge der gesellschaftlichen Strukturen473. Seit dem Mittelalter sind daher in einigen deutschen Gebieten sog. Anerbensitten für die Vererbung von Bauernhöfen ent- standen474. Der landwirtschaftliche Betrieb wurde danach entgegen dem Grundsatz der Realteilung an nur einen „Anerben“ vererbt, der die weichenden Erben nach 470 Abel, Agrarpolitik, S. 171; Achilles, Landwirtschaft in der frühen Neuzeit, S. 53; Großmann, Die Vererbung landwirtschaftlichen Grundbesitzes im Königreich Preußen, S. 101; van Houtte, Europäische Wirtschafts- und Sozialgeschichte im Mittelalter, S. 546; Kroeschell, Agrarrecht 1978, 147 (148). 471 Künzel/ Rellecke, Geschichte der deutschen Länder, S. 232;...

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