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Bühnenkämpfe

Autor-Dramaturgen in der frühen DDR: Brecht, Kipphardt, Hacks

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Silke Flegel

Die theaterwissenschaftliche Studie reflektiert die Aufgabenstellung, Funktion und Problematik der Dramaturgen im Spannungsfeld von Theaterkunst und Kulturpolitik in der DDR. In der konzeptuellen «Denkfigur» des «Autor-Dramaturgen» beleuchtet sie zugleich zentrale Aspekte dieser besonderen Theatergeschichte. Die am konkreten theaterhistorischen Bühnengeschehen entwickelten Befunde werden mit interpretativen Zugriffen innerhalb dieses Spannungsfelds verortet, in der Denkfigur des Autor-Dramaturgen gewinnen sie ihren übergreifenden Anspruch. Mit der Charakterisierung von Brecht, Kipphardt und Hacks entwickelt die Studie keine ausgearbeitete Theorie des Autor-Dramaturgen in der DDR, sondern formuliert einen Vorschlag für eine an eine bestimmte historische und theatrale Situation gebundene Konstellation.

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Die Legende vom „Dramaturgenstaat“

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Der Autordramaturg: ein glücklicher Mensch John von Düffel1 Zu den unzähligen Legenden, die sich um die DDR-Kultur ranken, gehört unzweifelhaft auch diejenige von der Existenz eindeutig zu vieler Dramaturg/- innen2 an allen Orten, von der DDR als Dramaturgenparadies also, in wel- chem zu leben durchaus erstrebenswert gewesen sei. So soll etwa ZK-Mitglied Hans Rodenberg einmal geäußert haben, „Dramaturgen täten nie viel, er könne das beurteilen, denn er sei selbst einmal Dramaturg gewesen.“3 Und tatsächlich beschert der Blick in die Archivakten dieser Legende einen durch- aus realen Hintergrund und das oft zitierte und viel strapazierte Wort vom sogenannten „Dramaturgenstaat“ DDR lässt sich vielfach nachlesen.4 Auch im großen Kreis der Betroffenen, also der DDR-Dramaturgen, ob nun im Theater, bei der DEFA, beim DDR-Fernsehen oder -Hörfunk beschäf- tigt, kursierten selbstironische Dramaturgenwitze über den eigenen Berufs- stand im „reinen Wohlfahrtsstaat“ (Peter Hacks): „Wer einmal fünf Zeilen geschrieben hat und zu ihnen gekommen ist, um zu klagen, er wisse nicht, wie er leben solle, dem haben sie gesagt: ‚Ach, schauen Sie, dann werden Sie doch Dramaturg bei der DEFA, da haben wir zwar schon 32, warum sollen 1 Düffel, John von: „Der Autordramaturg: ein glücklicher Mensch“. Theater der Zeit 60 (2005), H. 3, S. 25–26. 2 Selbstverständlich sind die weiblichen Vertreter des Berufsstands immer mitge- meint. Der besseren Lesbarkeit halber wird in der Folge auf explizite Geschlech- terunterscheidungen verzichtet. 3 Zitiert nach: Müncheberg, Hans: Blaues...

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