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Geschlechtergerechtigkeit unter dem Deckmantel der Leitbildneutralität

Trennungs- und Scheidungsfolgen im Spiegel der Ehe- und Familienförderung

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Hüsniye Saygin

Obwohl das Leitbild der Hausfrauenehe 1977 abgeschafft wurde, wird es noch immer gefördert. Das Buch beschäftigt sich mit der Geschlechterungerechtigkeit, die der vermeintlich freien, jedoch vor dem Recht nicht gleichbehandelten Wahl des Lebensmodells zugrunde liegt. Gerade nach einer Scheidung kann das finanzielle Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau gravierende Folgen haben. Schließlich verweist das Unterhaltsrecht die Ehegatten inzwischen auf ihre Eigenverantwortung, orientiert sich also an dem Modell der Zweiverdiener-Ehe. Welches Leitbild soll man leben, um keine Nachteile zu erleiden? Das deutsche Recht gibt darauf keine Antwort. Ausgehend von dieser Problematik beschäftigt sich die Autorin mit der Frage, wie der paradoxen Förderung begegnet werden kann, auch um einen Gleichlauf mit dem Scheidungsfolgenrecht zu erzielen.

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J. Reformoptionen für Deutschland

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Eingangs stellt sich die Frage, welchen Zweck etwaige Reformen in Deutschland haben sollten. Die Bearbeitung konnte zeigen, dass insbesondere verheiratete Mütter seltener eine eigenständige Existenzsicherung vorweisen können. Diese Tatsache stellt in der Regel so lange kein Problem dar, wie die Familie intakt ist. In Deutsch- land ist jedoch inzwischen nahezu jede fünfte Familie mit minderjährigen Kindern alleinerziehend.560 Alleinerziehende sind fünf Mal so häufig auf Grundsicherungsleis- tungen angewiesen wie Paarfamilien.561 Grund hierfür ist die geltende Gesetzeslage: Das nacheheliche Unterhaltsrecht verlangt dem Unterhaltsempfänger spätestens seit 2008 mehr - und vor allem schneller - finanzielle Eigenständigkeit ab. Dieser For- derung kann jedoch angesichts der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt nicht ohne Weiteres nachgekommen werden, wenn nicht schon während der Ehe mög- lichst ununterbrochen eine der eigenen Ausbildung entsprechende Erwerbstätigkeit ausgeübt wurde. Freilich gibt es Frauen, denen der existenzsichernde Wiedereinstieg in das Arbeitsleben nach einigen Mühen wieder gelingt. Viele verbleiben jedoch im Hartz IV-Bezug und werden durch die Jobcenter nach einigen Jahren schlichtweg aufgegeben oder in Berufe vermittelt, die kein ausreichendes Auskommen bieten, so dass zumindest weiterhin eine Hartz IV-Aufstockung beansprucht werden muss. Bei der Erwerbseingliederung von Frauen ist zudem zu bedenken, dass sie nach der Trennung weiterhin die Hauptverantwortlichen für die Kindererziehung sind. 90  Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen.562 Sie stehen daher nicht nur vor der Schwierigkeit, einen existenzsichernden Beruf zu finden, sondern müssen daneben auch die Haus- und Familienaufgaben alleine bewältigen. Vor diesem...

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