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Religion – Macht – Freiheit

Deutsches Neuland: Eine Zwischenbilanz

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Thomas Brose

Zwar schreitet die Säkularisierung in Europa voran, aber der Prozess einer Re-Spiritualisierung gewinnt an Fahrt. Fragen, die unsere Gesellschaft unabhängig von konfessionellen Bindungen bewegen, lauten: Worauf können wir uns verlassen? Was sind Werte, die wirklich zählen? Braucht Europa das Christentum? Aber auch: Welche Gefahren birgt Religion in sich? Können moderne Menschen mit guten Gründen glauben?
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„Einer trage des anderen Last“: Ein DEFA-Film über Glaube, Macht und Wirklichkeit

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„Einer trage des anderen Last“:Ein DEFA-Film über Glaube, Macht und Wirklichkeit

Thomas Brose

Es ist noch immer eine Lust, den beiden Hitzköpfen bei ihrem Streit über Gott und die Welt zuzuschauen: Hubertus Koschenz und Josef Heiliger – so heißen die ungleichen Helden des Spielfilms „Einer trage des anderen Last“. Zu seiner Wiederaufführung hatte der Ökumenische Arbeitskreis Prenzlauer Berg genau 25 Jahre nach seinem Start eingeladen. Überraschenderweise kamen weit mehr als 600 Interessierte, um den damals vieldiskutierten DEFA-Film zu sehen.

Als die Produktion mit dem biblischen Titel (Gal 6,2) am 28. Januar 1988 ihre Premiere erlebte, wurde schnell klar: Hier geht es um große Fragen – um weltanschauliche Toleranz zwischen Christen und Atheisten als Voraussetzung einer lebensfähigen Gesellschaft. Aber bereits die Uraufführung hatte es in sich; das Publikum wurde Augenzeuge wachsender Spannungen. Denn die Vertreter von Staat und Kirche, SED-Politbüromitglied Kurt Hager und der evangelische Altbischof Albrecht Schönherr, hatten fast regungslos nebeneinander gesessen und kaum ein Wort miteinander gewechselt. Es herrschte eine regelrechte „Eiszeit“ zwischen den weltanschaulichen Lagern. Denn bloß zehn Tage zuvor hatte die Staatssicherheit noch vor der „Kampfdemonstration zu Ehren von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg“ über hundert Bürgerrechtler wegen „landesverräterischer Beziehungen“ festgenommen, weil diese eigene Plakate zeigen wollten, darunter auch das berühmt gewordene Luxemburg-Zitat: „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden!“ Nicht zuletzt in der Gethsemane-Kirche im Prenzlauer Berg wurde daraufhin die sofortige Freilassung der Inhaftierten gefordert: mit Mahnwachen und F...

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