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Origenes’ tropologische Hermeneutik und die Wahrheit des biblischen Wortes

Ein Beitrag zu den Grundlagen der altchristlichen Bibelexegese

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Dieter Lau

Der Autor thematisiert die Funktion der Tropologie in Origenes’ Hermeneutik und Exegese. Er behandelt dessen Tropus-Begriff, Methodologie und Zeichentheorie. In diesem Kontext klärt er die Methode des Alexandriners, biblische Ausdrücke nach dem heuristischen Prinzip der doppelten Bezugswelt als Tropen zu identifizieren und diese nach ihrer Zugehörigkeit zum üblichen Sprachgebrauch oder zur Welt der Spiritualität zu kategorisieren. Die Darstellung der origenischen Dialektik führt dem Leser das begriffliche Arsenal vor Augen, mit dessen Hilfe der Exeget der Bibel deren geistige Bedeutung erschließt. Unter dem Aspekt «Wahrheit und Methode» erörtert der Autor den Erkenntniswert der analysierten Interpretationstheorie. Die Studie erhellt, die Tradition einbeziehend, die bibelhermeneutische Theoriebildung im antiken Christentum.
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I. Origenes’ tropologische Terminologie

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Wir fragen zunächst nach dem Bestand der bei Origenes in den griechisch überlieferten Texten belegten tropologischen Termini und nach deren hier fassbarer Definition und Systematik, ziehen jedoch der Ergänzung halber auch in den lateinischen Übersetzungen vorliegende Termini heran.

Origenes gebraucht die folgenden der grammatisch-rhetorischen Tradition verdankten Termini51, mit deren Hilfe er, von einigen Ausnahmen abgesehen52, tropische Ausdrucksformen der Bibel identifiziert und interpretiert: αἴνιγμα53, αἰνιγματώδης54, αἰνίσσεσθαι55, ἀλληγορία, ἀλληγορικός56, ἀλληγορεῖν57, ← 31 | 32 → ἀντίφρασις (antiphrasis)58, κατάχρησιϚ, καταχρηστικός, καταχρῆσθαι59, μετάληψιϚ60, μεταφορά61, μεταφέρειν62, μετωνυμία, μετωνυμικός63, ὁμοιότης, ὁμοίωσις, ὁμοιοῦν64, παραβολή65, παροιμία66, συνεκδοχικός67, τρόπος, τροπικός, τροπολογικός, τροπολογία, τροπολογεῖν68, ὑϖερβολή69, ὑπερβολικός70. ← 32 | 33 →

Häufig verwendet Origenes anstatt der substantivischen Bezeichnungen einzelner Tropen die stammverwandten verbalen, adjektivischen und adverbialen Termini. So dient das Verbum μεταφέρειν etwa an Stelle von μεταφορά dazu, metaphorische Ausdrucksformen zu benennen. Entsprechendes gilt für das Verhältnis von ἀλληγορία und ἀλληγορεῖν.

Die von Rufin, Hieronymus und einem anonymen Übersetzer71 gefertigten lateinischen Origenes-Übersetzungen72 bieten die nachstehenden Termini73, wobei auch hier statt der substantivischen Tropus-Bezeichnungen häufig die entsprechenden Benennungen der stammverwandten Verben, Adjektive und Adverbien gebraucht werden: abusio74, abusivus75, aenigma76, allegoria77, allegoricus78, allegorizari79, figura80, ← 33 | 34 →figuralis81, hyperbolicus82, parabola83, similitudo84, transferre85; tropicus86.

Nicht dem Kanon der grammatisch-rhetorischen Tropen zugehörig, aber in die Konfiguration von Literalsinn und geistigem Sinn der Schrift einbezogen sind die Termini87: ἀμφιβολία, ← 34 | 35 → ἀμφίβολος88, εἰκών89, μυστικός90, σύμβολον91, συμβολικός92, τύπος93, τυπικός94 bzw. im lateinischen Bereich: forma95, imago96, mysticus97, symbolus (-m)98, typus99, typicus100. ← 35 | 36 →

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