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Vorträge und Aufsätze zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters

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Jürgen Blänsdorf

Der Band vereinigt die zwischen 2000 und 2014 entstandenen Untersuchungen zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters: Komödie und Epos, Philosophie und Geschichtsschreibung. Weitere Themen sind außerdem die Methoden der Textinterpretation, Metrik, römische Philosophie, Staatstheorie, Geschichte, Religion und Fachschriftsteller. Das Buch wendet sich an Interessenten in Universität und Gymnasien und weitere Leserkreise. Öffentliche Diskussionen über den Wert des Lateins berücksichtigen oft nur die Mühen des Spracherwerbs. Hier stehen Literatur und Geistesgeschichte im Vordergrund.
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Eine Komödie der Hoffnungen und Enttäuschungen

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– der “Rudens” des Plautus –

I.

Der Rudens des Plautus ist die einzige antike Komödie, die in Nordafrika, genauer gesagt: in der damals griechisch besiedelten Stadt Cyrene spielt. Die Küste mit einem ärmlichen Bauernhof, ein Seesturm und ein nächtlicher Schiffbruch, bei dem zwei junge Frauen und zwei schurkische ältere Männer stranden, bilden den ganz und gar ungewöhnlichen Rahmen und Anlass der Komödienhandlung.

Aber konnte der römische Dichter, der im I. Punischen Krieg geboren wurde und im II. Punischen Krieg begann, Komödien zu dichten, diese Landschaft überhaupt kennen? Werfen wir einen Blick auf seine abenteuerliche Lebensgeschichte. Um 250 vor Christus wurde er in der kleinen umbrischen Bergstadt Sarsina geboren, die erst anderthalb Jahrzehnte zuvor durch Eroberung römisch geworden war – und noch heute diesen Namen trägt. Eine romanhafte, aber doch nicht völlig unglaubwürdige Biographie schreibt ihm eine erste Tätigkeit beim Theater zu – unbekannt, an welchem Ort und von welcher Art, vielleicht nur in Organisation oder Bühnentechnik – und lässt ihn dort zu Vermögen kommen. Damals war Plautus offenbar noch kein Komödiendichter. Dazu wurde er erst, als er durch einen Bankrott im Fernhandel sein Vermögen verloren hatte und sein Leben als Arbeiter in einer Mühle fristen musste. In dieser Zeit soll er drei Komödien geschrieben haben – kein schlechter Ausweg aus seiner Misère, denn die Zahl der staatlichen Festtage mit Dramenaufführungen hatte gegen Ende des 3....

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