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Die Patriotische Gesellschaft in Bern und Isaak Iselins Anteil an der europäischen Geschichtsphilosophie

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Margret Genna-Stalder and Lars Lambrecht

Das Buch präsentiert zwei sehr unterschiedliche Textformate: eine Forschungsarbeit von 1974 zur «Patriotischen Gesellschaft in Bern», die jetzt erstmalig gedruckt vorliegt, und eine vorläufige Dokumentation zum Anteil des Basler Ratsherrn Isaak Iselin (1728–1782) an der europäischen Geschichtsphilosophie. Iselin war Gründungsmitglied der Berner Gesellschaft und Autor der ersten deutschsprachigen Geschichtsphilosophie. Die gegenseitige Bezugnahme der beiden Studien zum «Ursprung» des geschichtsphilosophischen Denkens und dem simultanen Beginn der Patriotischen Gesellschaften am Beispiel der Berner zeigt vor allem eins: Sie macht den Anspruch jener Aufklärer plausibel, die theoretische Entwürfe mit der sozioökonomischen Praxis im Bestreben um politische Reformen verbunden wissen wollten.
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1. Zum Problem ‚eines‘ Begriffs ‚der‘ Aufklärung unter Berücksichtigung der Geschichtsphilosophie sowie zur allgemeinen Orientierung

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Als ein gemeinsames Merkmal der einzelnen Vertreter der Aufklärung lässt sich – bei allen ihren Unterschieden – vielleicht konstatieren: Es ist dies eine Entwicklung, die mit Bacon, Bodin, Hobbes sowie Spinoza und ihrer Überwindung der mittelalterlichen theologischen Begründung (Legitimation) der politischen Herrschaft als durch göttlichen Ursprungs (oder der Politik durch die Religion) ihren Anfang genommen hatte. Sie reichte dann über Vico und sein Postulat, dass die gesamte menschliche Geschichte aus dem Begründungsmodus des Göttlichen herauszunehmen sei, bis zum Laplace-Kant’schen Theorem, wonach die Wissenschaft von der Natur ‚ohne die Denk-Hypothese Gott‘ auskomme. Das, was in der Zusammenfassung jener Aufklärungselemente gemeinhin mit dem inhaltlich unzulänglichen Terminus ‚Säkularisierung‘ bezeichnet wird, verdunkelt deren eigentlichen sachlichen Zusammenhalt. Dieser Zusammenhalt bestand nämlich darin, dass in den rund 200 Jahren zwischen ca. 1580 – Bodins Les six livres de la République (1578) – und ca. 1780 – Kants Kritik der reinen Vernunft (1781) die Trias von Politik, Geschichte und Natur in ihren systematische Wechselbeziehungen der Eigenverantwortung der Menschen und ihrer Befähigung zum Handeln zugeschrieben wurde. Man kann mithin die Entstehungen des modernen Naturverständnisses, der modernen Geschichtsphilosophie und der modernen politischen Theorie nicht voneinander trennen. Man muss sie als die ein-und dieselbe Denkungsart jenes übergreifenden Prozesses der Loslösung der europäischen Philosophie von der christlichen Religion zu verstehen versuchen, als eine Entwicklung der Philosophie von ihrer ehemaligen Funktion als Magd der Theologie zur herrschenden Weltanschauung als Wissenschaft.1

So ‚einheitlich‘ diese Prozessmerkmale der Trias von Politik,...

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