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700 Jahre Boccaccio

Traditionslinien vom Trecento bis in die Moderne

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Edited By C. Bertelsmeier-Kierst and Rainer Stillers

In diesem Band werden neue Ergebnisse vorgestellt, die anlässlich des 700. Geburtstages Giovanni Boccaccios 2013 im interdisziplinären Dialog zwischen Literaturwissenschaftlern, Historikern, Sozial- und Medienwissenschaftlern in Marburg ausgetauscht wurden. Vor allem sein Hauptwerk in Volgare, das Decameron (Zehntagewerk, eine geistreiche Anspielung auf das Hexameron, das Sechstagewerk der Schöpfungsgeschichte), hat die Literatur und Kunst Europas nachhaltig beeinflusst. Geprägt von zwei Kulturen, dem kommunalen Leben der Republik Florenz und der französischen Hofkultur Neapels, gelingt es Boccaccio, zuvor getrennte Welten, antike Philosophie und höfische Liebe, lateinische und volkssprachliche Diskurse zusammenzuführen.
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Vorwort

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Nur wenige Dichter haben die europäische Literatur so beeinflusst wie Giovanni Boccaccio, der 1313 in Certaldo (nahe bei Florenz) geboren wurde. Während die Zeitgenossen, vor allem nördlich der Alpen, besonders sein lateinisches Œuvre schätzten und Boccaccio hier, so etwa vom Nürnberger Frühhumanisten Hartmann Schedel in seiner viel gelesenen Weltchronik (1493), als hohberümbter poet und philozophus gerühmt wurde, hat die Neuzeit Boccaccio vorrangig als Dichter des ‚Decameron‘ wahrgenommen. Im 14. und 15. Jahrhundert erfreuten sich jedoch auch seine frühen italienischen Dichtungen namentlich in Frankreich und England einer größeren Wertschätzung. Erste literarische Einflüsse zeigen sich schon bei Geoffrey Chaucer, der Boccaccios Texte offenbar auf seinen Italienreisen 1372/73 und 1378 kennengelernt hatte. Um 1400 adaptierte Christine de Pizan bereits einzelne Novellen aus dem ‚Decameron‘ für ihr berühmtes Frauenbuch ‚La Cité des Dames‘, denen dann 1414 mit den ‚Cent Nouvelles‘ die erste französische Gesamtübertragung Laurents de Premierfait folgen sollte. Auch ins Deutsche (Erstdruck 1476) und Spanische (Erstdruck 1486) wurde Boccaccios ‚Decameron‘ übersetzt, sodass bis 1500 neben seinen lateinischen Werken zumindest auch sein Novellenzyklus – vollständig oder in Einzeladaptionen – in zahlreichen europäischen Sprachen zur Verfügung stand.

In der frühen Neuzeit haben z. B. La Fontaine, Cervantes und Shakespeare Boccaccio rezipiert, aber auch deutsche Dichter ließen sich immer wieder vom ‚Decameron‘ inspirieren. Gotthold Ephraim Lessing schrieb seine berühmte Ringparabel nach der dritten Novelle des ersten Tages; ebenso zeigt Goethes ‚Unterhaltung deutscher...

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