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Askese als Verhaltensrevolte

Konstanze Caysa

Das Buch stellt eine umfassende Philosophie der Askese dar und befasst sich mit dem Problem der Autoevolution des Menschen. Zugleich enthält es eine Philosophie der Stimmungen und Gefühle. Askese galt einst als Ausstiegsstrategie der Protestanten aus dem Katholizismus. Heute steht sie für eine perfekte Anpassung an den digitalen Kapitalismus, für Geschwindigkeit, Innovation, Flexibilität. Asketen gelten als apollinische Karrieristen, die mit ihrer ständigen Verfügbarkeit den Sozialstaat abschaffen wollen. Der Mensch ist ein Askesewesen, dessen Begierde durch die Sublimierung dionysischer Energie gehemmt wird. De facto ist die heutige Askese eine Art der Verhaltensrevolte gegenüber dem modernen Konsumismus, die auf einer modernen «Ökonomie des Heils» und einer «Ökonomie des Gehorsams» basiert.
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4. Das Maß der Autoevolution nach Nietzsche

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4. Das Maß der Autoevolution nach Nietzsche

Der autoevolutionäre Körperkulturalismus bewegt sich im Spannungsfeld von konservierender Ingenieurskunst und ästhetischen Körperfiktionen. Das grundlegende Merkmal des darin entwerfend geworfenen Transkörpers ist das der autoevolutiven Potenz,97 das heißt mit seiner Selbststeigerung im Sinn einer bejahenwerten Selbstreproduktion muss die Fähigkeit zur funktionalen Selbsteffektivierung und ästhetischen Selbstvervollkommnung maßvoll wachsen, um so immer wieder neue Körpermetamorphosen ermöglichen zu können. Das bedeutet, den Körper nicht nur an die jeweiligen Erfordernisse der Lebenswelt anzupassen, sondern ihn in seinem Eigensein anzuerkennen und zu gestalten, das bedeutet nicht nur die Selbstreparaturfähigkeit des Körpers zu verbessern, sondern auch seine ästhetische Eigenart auszuprägen.

Die Ausprägung der autoevolutiven Potenz des Menschen in der Vermittlung durch die Bildung eines Transkörpers heißt nicht nur, für das menschliche Dasein die Zukunft als maßgebend für all unserer Wertschätzungen anzunehmen, sondern auch, für den Körper die Zukunft als maßgebend zu betrachten und nicht das Gewesene als das allein Maßstabsetzende anzunehmen. Nicht der augenblickliche Nutzen ist das Entscheidende, sondern der mögliche Nutzen für die Zukunft. Der Mensch wie sein Körper muss also auf Zukunft hin gezüchtet werden, und die Idee der Züchtung bedeutet auch hier, wie bei Nietzsche, dass wir letzten Menschen die Pflicht haben uns selbst durchzustreichen. Nur dieser zumindest teilweisen Selbstdurchstreichung kann des letzten Menschen Selbstüberwindung folgen. Denn...

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