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Der bekannte Fremde

Der Vampir in der Literatur des 19. Jahrhunderts

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Oliver Hepp

Seit ihrer Verschriftlichung im 18. Jahrhundert wird die Figur des Vampirs als fremdartig beschrieben. Ihre dauerhafte Ästhetisierung – von Goethes Die Braut von Corinth bis Bram Stokers Dracula – verhalf der Figur zu einer beispiellosen Karriere, die bei genauerer Betrachtung zwei Dinge offenlegt: So fremd, wie Geschichte und Kunst sie darstellen, ist die Vampirfigur nicht. Anhand theoretischer Ansätze von Giorgio Agamben, Hans Richard Brittnacher und Homi Bhabha arbeitet der Autor den Vampir als bekannten Fremden und somit als Teil des Eigenen heraus.
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Zwischenspiel: Der Vampir (1748) als erster literarischer Impuls vor Goethe

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Am 18. Mai des Jahres 1748 erscheint in der Zeitschrift Der Naturforscher ein kurzes Gedicht unter dem Titel Der Vampir von Heinrich August Ossenfelder. Das Printmedium partizipiert auch mit einem philosophischen Text an der zeitgleich stattfindenden Vampirismus-Diskussion. Denn im 47. und 48. Stück des Hefts, in das Ossenfelders poetischer Text Aufnahme findet, veröffentlicht man unter der Ägide des Herausgebers Mylius den 125. Jüdischen Brief des Philosophen Marquis D’Argens, der sich der Kolportage aus den Grenzregionen der europäischen Herrschaftsgebiete widmet, in welchem man sich mit den „vampyri“ befasst. Selbst in D’Argens’ kurzer philosophischer Reflexion erhält der Aberglaube die Funktion eines unzureichenden Explikationsmodells im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Diziplinen, womit er die bereits bekannte argumentative Linie aus der Debatte aufgreift. In Analogie zu Ranffts Text beeinflusst bei D’Argens die Einbildungskraft den Körper letal. Er bietet darüber hinaus die gleiche narrative Argumentationsstruktur, die unter den Lesern Angst depotenzieren soll, gleichzeitig jedoch versteckt das Gegenteil bewirkt. Er erzählt die Geschichten, um sie zu destruieren, doch erzählt er sie eben. Am Ende erlässt der Verfasser noch ein bemerkenswertes Urteil: Er negiert das Forschungsinteresse an den Vampiren.

Es sind zwei unterschiedene Mittel, die Meynung von diesen vermeynten Wiederkommern zu zernichten, und die Unmöglichkeit, den aller Empfindung ganz beraubten todten Cörpern zugeeigneten Wirkungen zu zeigen. Das erste ist die Erklährung aller Wunder des Vampirismus durch physikalische Ursachen. Das andere, wenn wir die Wahrheit dieser Geschehen gänzlich leugnen und dieses...

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