Show Less
Restricted access

Das Kuckuckskind und seine drei Eltern

Eine kritische Würdigung der bestehenden Rechtslage mit Vorschlägen für interessengerechte Regelungen unter rechtsvergleichenden Aspekten aus dem EMRK-Raum

Series:

Kerstin Aust

Kerstin Aust belegt mit einem Vergleich der Regelungen in den 47 EMRK-Staaten, dass die Rechtsfragen, die sich in einer Familie mit Kuckuckskind stellen, trotz der anhaltenden Flut von Akten der deutschen Gesetzgebung und Rechtsprechung nicht zufriedenstellend gelöst sind. Auf die Frage, ob nur die biologische Abstammung oder nur die soziale Wirklichkeit Rechtswirkungen hervorrufen soll, gibt es ihrer Ansicht nach keine einzig gültige Antwort. Vielmehr kommt es auf den Einzelfall und auf das Wohl des Kuckuckskindes an. Die Autorin fordert daher flexible Regelungen: Das Gesetz sollte bei einem Kuckuckskind keine «entweder-oder»-Frage stellen, sondern eine «sowohl-als-auch»-Lösung bieten, welche die Möglichkeit des rechtlichen Nebeneinanders zweier Väter und einer Mutter beinhaltet.
Show Summary Details
Restricted access

2.3.3.2.4 Beginn der Anfechtungsfrist des Kindes

Extract



Da das minderjährige Kind sein Anfechtungsrecht gemäß § 1600a Abs. 3 BGB nicht selbst ausüben kann, stellt § 1600b Abs. 3 BGB dem volljährigen Kind eine neue Anfechtungsfrist zur Verfügung. § 1600b Abs. 3 BGB gewährt indes kein neues Anfechtungsrecht.695 Ist bereits ein abweisendes Urteil in einem Anfechtungsverfahren ← 126 | 127 → ergangen, das ein anderer Anfechtungsberechtigter durchgeführt hat, muss das Kind dieses Urteil gegen sich gelten lassen (vgl. § 184 Abs. 2 FamFG).

Die Anfechtungsfrist beginnt gemäß § 1600b Abs. 3 S. 2 BGB nicht vor Eintritt der Volljährigkeit des Kindes und nicht vor dem Zeitpunkt, in dem das Kind von den gegen die Vaterschaft des rechtlichen Vaters sprechenden Umständen Kenntnis erlangt hat.696

2.3.3.2.4.1 Anfechtungsfrist bei gesetzlicher Vertretung des Kindes

Für den Beginn der Anfechtungsfrist des minderjährigen Kindes kommt es gemäß § 166 Abs. 1 BGB auf die Kenntnis des gesetzlichen Vertreters an. Maßgeblich ist die Kenntnis desjenigen gesetzlichen Vertreters, der befugt ist, das Kind im Anfechtungsprozess zu vertreten.697

Nach der bereits oben unter Ziffer 2.3.2.2.1 geschilderten vorzugswürdigen Ansicht ist der rechtliche Vater gemäß §§ 1629 Abs. 2 S. 1, 1795 Abs. 1 Nr. 3 BGB von der Vertretung des Kindes ausgeschlossen, so dass seine Kenntnis nicht maßgeblich ist. Dasselbe gilt für die Mutter, die mit dem rechtlichen Vater verheiratet ist oder nach der rechtskräftigen Ehescheidung noch keine Regelung nach § 1671 Abs. 1 BGB zugunsten des Alleinsorgerechts der Mutter getroffen worden ist.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.