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Die Ukraine – Grenzland oder Brücke?

Reflexionen zum aktuellen Konflikt

Reinhard Hildebrandt

Dieses Buch behandelt die Stellung der Ukraine im Konflikt um Aufrechterhaltung guter wirtschaftlicher und politischer Beziehungen der Ukraine zu Russland einerseits und ihrem Wunsch nach Zugehörigkeit zur Europäischen Union andererseits. In dieser Sache prallen die Strategie zur Erweiterung der EU und das Sicherheitsbedürfnis Russlands aufeinander. Diese rivalisierenden Mächte zerreißen die in ihren Sympathien gespaltene ukrainische Bevölkerung. Als traditionelles Grenzland wäre für die Ukraine die Brückenfunktion zwischen Russland und der EU jedoch angemessen. Es droht schließlich der Verlust der Unabhängigkeit, wenn der Konflikt auf absehbare Zeit zu keinem friedlichen Ende führt. Der Autor folgert, dass dessen Fortdauer auch das Verhältnis zwischen Europäischer Union und Russland entfremdet und ein Wiederaufleben des Ost-West-Konflikts nicht mehr ausgeschlossen ist.
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I. Einleitung

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I.  Einleitung

In der Analyse der Weltordnung zirkulierten unter Strategen und Politikern in den letzten Jahren vier aufeinander bezogene Sichtweisen:

Welche Wirkung diese Sichtweisen entfalteten, zeigt sich auf prägnante Weise in der Entwicklung des Ukrainekonflikts.

Die Geschichte der Ukraine ist die eines Randstaates (Ukraine = Rand), der mehrfach von den benachbarten Staaten erobert und beherrscht wurde. Als Folge der unterschiedlichen Herrschaftsverhältnisse hat die ukrainische Bevölkerung nicht zu einer ungeteilten Identität gefunden. Westukrainer orientieren sich vorwiegend Richtung Europäische Union und viele Ost- sowie Südukrainer betrachten Russland als ihre eigentliche Heimat, mit der sie sich eng verbunden fühlen. Entsprechend dieser unterschiedlichen Orientierung haben sich in der West- und Zentralukraine demokratische und nationalistische Prinzipien stärker durchgesetzt, während in der ost- und südukrainischen Bevölkerung weiterhin reichen Oligarchen und deren Klienteldenken Wertschätzung entgegen gebracht wurde. Fragte man Bewohner von Kiew, Odessa, Jalta (Krim) und Sewastopol danach, ob sie eine Wiedervereinigung mit Russland wünschten, reagierten Krimbewohner und insbesondere Bürger der Hafenstadt Sewastopol – aber auch viele Odessiten – mit ← 13 | 14 → deutlicher Zustimmung, während viele Kiewer und Westukrainer vehement ablehnten.

Im Vorurteil mancher Westukrainer existiert innerhalb der Ukraine ein Kulturgefälle. Gegenüber der als höher bewerteten Kultur des Westens erscheint die im Osten praktizierte Kultur als rückwärtsgewandt und minderwertig. Das west-östliche Kulturgefälle im Vorurteil der Bevölkerung verläuft entlang der Grenzen, die von der ökonomischen Teilung des Landes in...

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