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Dr. Mabuse und seine Zeit

Eine deutsche Chronologie

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Sven Safarow

Die Kunstfigur Dr. Mabuse war immer schon ein vortreffliches Spiegelbild soziopolitischer Entwicklungen. In diesem Essay werden Ursprung und Figurenkonzeption von Norbert Jacques’ literarischer Schöpfung intensiv untersucht. Was in der Vorlage nur angedeutet war, wird in der filmischen Interpretation Fritz Langs offenbar: Dr. Mabuse bildet eine sukzessive Metapher für die historischen Umbrüche innerhalb der deutschen Geschichte seit Ende des Ersten Weltkriegs.
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Das mabusische Bühnenbild

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Langs Film spielt in Berlin, einer modernen Metropole, die es einem erlaubt, alle technologischen Vorzüge der Zivilisation zu nutzen, vor allen Dingen die Medien. Die Stadt unter Mabuse erscheint so als komplexes Geflecht, das durch Technologie und Manipulation zusammengehalten wird. Daher kann das von Mabuse verkörperte System der Macht auch nur im Zentrum der modernen Zivilisation wirken, in der von Anonymität und unaufhaltsamem Fortschritt geprägten Lebenswelt der (Groß-)Stadt. Anders als Dracula und Svengali, ist Mabuse eine Figur des modernen 20. Jahrhunderts. Sie wird in Langs Film, der selbst in jungen Jahren zunächst in die Fußstapfen des Vaters treten und Architekt werden sollte164, durchaus auch durch ihr Verhältnis zur Stadt und zur städtischen Architektur definiert. Frieda Grafe schreibt: „Formen und deren Verhältnisse sind wichtiger als Erzählvorgänge.“165 Die Erzählung selbst ist eher episodenhaft angelegt, ihr Höhepunkt (zumindest hinsichtlich Tempo und Dynamik) bereits im 1. Akt des ersten Teils erreicht und findet mit Mabuse Manipulation der Börse sein Ende. Danach spielt sich das Geschehen auf kleinerem Maßstab ab. Der Inhalt ist also nicht Aristoteles’ Architektur des Dramas, sondern die Erzählung ist der Architektur der Formen verpflichtet. Lang inszeniert zunächst immer Räumlichkeiten und geometrische Anordnungen: geheime Keller, prunkvolle Säle, schillernde Bühnen, Treppenaufgänge. Genau wie Louis Feuillade, der Regisseur der FANTÔMAS-Reihe, setzt Lang auf eine statische Kamera, von der die Figuren in ein Verhältnis zum umgebenden Raum...

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