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Minderheiten im sozialistischen Jugoslawien

Brüderlichkeit und Eigenheit

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Edited By Kateřina Králová, Jiří Kocian and Kamil Pikal

Dieses Buch bietet einen umfassenden Einblick in die Politik des jugoslawischen Staates gegenüber seinen 15 wichtigsten, offiziell anerkannten, ethnischen Minderheiten. Das bunte ethnische Mosaik, welches Jugoslawien im 20. Jahrhundert gekennzeichnet hat, weckte seit jeher das Interesse der Geistes- und Sozialwissenschaft. Mit ihm ging stets die Frage einher, ob und wie ein Staat mit derartigen Voraussetzungen funktionierend und effektiv gestaltet werden könne. Die Autorinnen und Autoren werfen in ihren Fallstudien dabei eine Reihe von Themenfeldern auf, welche die Relevanz der behandelten Minderheitensituation nicht nur für das Verständnis der Geschichte des sozialistischen Jugoslawien, sondern auch von multiethnischen Staaten insgesamt verdeutlichen.
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Die Italiener

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Seit dem Mittelalter verteidigte die Republik Venedig ihre strategisch-ökonomischen Interessen an der Küste der östlichen Adria und schützte ihre Handelswege in den östlichen Mittelmeerraum. Noch im 20. Jahrhundert waren italienische Eliten um die politische und wirtschaftliche Kontrolle dieser Region bemüht; der Zweite Weltkrieg jedoch beendete den Einfluss Roms und führte zu einer Verschlechterung der Lage für die italienische Bevölkerung vor allem in jenen Gegenden, die an Jugoslawien fallen sollten. Aus der einst beträchtlichen Gruppe an Menschen, die sich als Italiener bekannten und deren Anzahl vor dem Krieg bei mehreren Zehntausend gelegen hatte, schrumpfte während der Ära Tito zu einer kleinen Minderheit von einigen Tausend Angehörigen, die ihre frühere Stellung als dominante wirtschaftliche und politische Elite in den ehemals italienischen Gebieten verloren und sich daher zurückzogen.

Wie im vorliegenden Kapitel gezeigt wird, sank die Rolle und Bedeutung der italienischen Minderheit aber nicht proportional zum Rückgang ihrer Gesamtzahl. Die Italiener traten im sozialistischen Jugoslawien als Vertreter Westeuropas und damit auch als Vermittler zwischen dem Tito-Regime und ihrem ursprünglichen Heimatland auf. Dieser Umstand brachte ihnen in der Zeit besserer Beziehungen zwischen Rom und Belgrad viele Vorteile ein, doch in Momenten politischer Spannungen zwischen den beiden Staaten war die italienische Minderheit nicht selten Repressionen ausgesetzt.

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