Show Less
Restricted access

Die Gesetzgebungslehre im Bereich des Privatrechts bei Christian Thomasius

Series:

Takashi Izumo

Was können Rechtsvergleich und Rechtsgeschichte leisten? Der Autor beantwortet diese Frage mit Blick auf die Gesetzgebungslehre des deutschen Juristen und Philosophen Christian Thomasius (1655–1728). Er weist nach, dass dessen Gesetzgebungslehre sich im Bereich des Privatrechts grundsätzlich durchsetzte und auf die Gesetzgebung der frühen Neuzeit großen Einfluss hatte, obwohl Thomasius kein originales Gesetzbuch verfasste. Der Jurist war der Meinung, man könne durch Rechtsvergleich vermuten, dass eine heimische Sitte, die den gemeinsamen Sitten vieler Völker bzw. dem Völkergemeinrecht entspreche, geeignet sei, ins Gesetzbuch aufgenommen zu werden. Er stützte diesen Vergleich durch historische Betrachtungen.
Show Summary Details
Restricted access

2. Die allgemeine Gesetzgebungslehre von THOMASIUS

Extract

← 42 | 43 →

2.  Die allgemeine Gesetzgebungslehre von THOMASIUS

2.1  Das Gesetzgebungsvorhaben von THOMASIUS

Zwar kann man unter dem Thema „die Gesetzgebungslehre von Christian THOMASIUS“ verschiedene Bereiche verstehen, beispielsweise das Privatrecht, das Strafrecht, die Verbesserung der Prozessordnung. Ich möchte mein Interesse aber auf ein Vorhaben über das Privatrecht beschränken, mit dem sich THOMASIUS sein Leben lang dauernd beschäftigt hat und nicht zu Ende bringen konnte, nämlich Institutiones jurisprudentiae Germanicae.

2.1.1  Institutiones jurisprudentiae Germanicae

Ein neues Corpus Juris! Das ist der Ausruf von LEIBNIZ in seiner berühmten Abhandlung Nova methodus discendae docendaeque iurisprudentiae ex artis didacticae principiis (1686).139 Dort behauptete LEIBNIZ, man müsse dann ein neues Corpus Juris verschaffen, wenn man Streit im Staat genau lösen wolle. Dem Aufruf folgte THOMASIUS, als er versuchte ein neues Lehrbuch über deutsches Recht zu schreiben. Er wollte das Buch Institutiones jurisprudentiae Germanicae nennen,140 aber der Tod ereilte ihn, bevor er seinen Wunsch realisieren konnte.141 Demnach kann man ← 43 | 44 → die Institutiones jurisprudentiae Germanicae wie folgt beschreiben: Es ist ein neues Lehrbuch seiner Zeit, welches das Corpus juris civilis ablöst und Probleme seines Staates lösen soll.142

Das Konzept von THOMASIUS entspricht zwar manchmal der obigen Meinung von LEIBNIZ, steht ihr aber auch manchmal entgegen.143 Auf der einen Seite waren sich LEIBNIZ und THOMASIUS darin einig, dass es im römischen Recht einige Probleme gab. LEIBNIZ forderte für ein neues Corpus Juris: „Komplett,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.