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Paarformeln in mittelalterlichen Stadtrechtstexten

Bedeutung und Funktion

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Frauke Thielert

Die Autorin untersucht den seit Jakob Grimm in der Forschung diskutierten Gegenstand der Paarformel anhand der spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Textsorte der Stadtrechtsbücher. Sie behandelt 20 Texte, die sich auf den gesamten deutschen Sprachraum verteilen und den Zeitraum vom 13.–15. Jahrhundert abdecken. Die Analyse ist nach sehr weit gefassten modernen Rechtsbegriffen wie «natürliche Person» oder «Körperverletzung» strukturiert, die jenseits ihrer historischen Andersartigkeit als Grundtatsachen des menschlichen Lebens gelten können. Ausgehend von der Annahme, dass Paarformeln als Mittel zur Erfassung rechtsrelevanter Begrifflichkeiten dienen, berücksichtigt die Autorin neben Verwendung und Bedeutung auch die Funktion von Paarformeln im jeweiligen Kontext.
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II. Forschungsüberblick

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Seit dem frühen 19. Jahrhundert beschäftigt sich die germanistische Forschung mit der sprachlichen Erscheinung der Paarformel in mittelalterlichen Rechtstexten. Häufig liegt der Fokus dabei auf der Frage nach der Herkunft der Formeln und ihrer Abhängigkeit von anderen Sprachen, v.a. dem Lateinischen. Bei den Untersuchungen zur Semantik von Formeln und deren Funktion im Rechtstext handelt es sich zumeist um Einzelfalluntersuchungen, die lediglich eine oder zwei Formeln im Blick haben. In den seltensten Fällen – zumeist nur im Bereich der Urkundensprache – wird die Verwendung von Paarformeln innerhalb einer Rechtstextsorte untersucht.

Die ersten Ansätze zur Beschäftigung mit der Paarformel als Element des mittelalterlichen volkssprachigen Rechts bzw. deren sprachlicher Verwendung finden sich bereits 1828 bei Jacob Grimm. In seinem Werk ‚Deutsche Rechtsaltertümer‘ beschäftigt er sich mit dem Phänomen der Paarformel, allerdings ohne diese begrifflich zu benennen, Grimm spricht in diesem Kontext von einem Merkmal der „germanischen Rechtssprache“7. Ausgehend von der Überzeugung, dass „jedes recht […] technische althergebrachte ausdrücke [hat], die sich vor gericht erhalten“8, sammelt Grimm Formeln, die er sowohl in deutschsprachigen als auch lateinischen, angelsächsischen und skandinavischen Rechtsquellen findet und führt diese nach Kategorien geordnet auf.

Er wählt dabei die Kategorien, die in der ihm nachfolgenden Forschungsdiskussion auch weiterhin die Grundlage bilden: alliterierend, (end-)reimend, tautologisch und negativ schließend. Diese, nach heutigem Forschungsstand als Paarformeln zu bezeichnenden Erscheinungen, stellen für Grimm „grundformen der alten rechtssprache“9 dar, deren Funktion er als...

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