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Odysseen des Humanen

Antike, Judentum und Christentum in der deutschsprachigen Literatur- Festschrift für Prof. Dr. Maria Kłańska zum 65. Geburtstag

Edited By Katarzyna Jastal, Pawel Zarychta and Anna Dabrowska

Literatur war und ist ein Ort menschlicher Identitäts- und Wertefindung, an dem die Kontingenzen individueller und historischer Erfahrung in universale Kontinuitäten eingeschrieben werden. Sie ist auch ein Ort, an dem antike, jüdische und christliche Traditionsbestände durch ihre Fortsetzung und Neusemantisierung wieder aufleben und nicht selten zu Grundmustern individueller Sinnstiftung werden. Von dieser Grundbeobachtung ausgehend, begeben sich die Autorinnen und Autoren dieses Bandes auf die Suche nach solchen Kontinuitäten und Neusemantisierungen der antiken, jüdischen und christlichen Narrative in der älteren bis jüngsten deutschsprachigen Literatur. Sie rekurrieren auf die Forschungsinteressen von Prof. Dr. Maria Kłańska, der diese Publikation zum 65. Geburtstag gewidmet ist.
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Die Bibel als Prätext in der Lyrik Gottfried Benns

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Benn hat im Laufe seiner lyrischen Produktion jeweils ganz unterschiedliche intertextuelle Bezüge favorisiert, von nahe liegenden Anspielungen auf ältere Lyrik über solche an kulturelle Grundlagentexte wie die Bibel bis zu Zitaten der Sprache der Wissenschaft, des Alltags und der Kulturindustrie. Dabei ist für den Sohn eines Pfarrers, der auf Wunsch seines Vaters zunächst Theologie studierte, die Bibel selbstverständlich ein Text, der immer gegenwärtig ist und für Anspielungen zur Verfügung steht. Fließend ist dabei auch die Grenze zwischen direkten Verweisen auf die Bibel als Prätext und indirekte auf das christliche Gedankengut. Einerseits handelt es sich bei der Bibel um eine wirkungsmächtige Tradition, andererseits ist bei biblischen Anspielungen der andere Charakter des Ursprungstextes zu berücksichtigen. Ein Autor muss die religiösen Momente durch den Kontext in poetische transformieren, relativieren oder parodieren, um ihre Geltung zu verändern oder gar zu brechen. Von den drei Möglichkeiten der Intertextualität, die Lachmann beschreibt, ist die der Partizipation und Fortführung kaum gegeben, stattdessen findet sich die Transformation als Umdeutung und Überbietung und ebenso die Tropik als Widerlegung und Parodie.1

Bei der Forschung zu diesem Thema ging es zunächst um Benns weltanschauliche Stellung zwischen Nihilismus, Christentum und Gnosis, danach um die Modernität seiner Lyrik unter dem Stichwort der Montage von Zitaten. Das Verhältnis zur Bibel wurde zuletzt meist unter dem Begriff der Transzendenz abgehandelt, wobei natürlich auch das Vorbild Nietzsches eine Rolle spielte. Essays und...

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