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Odysseen des Humanen

Antike, Judentum und Christentum in der deutschsprachigen Literatur- Festschrift für Prof. Dr. Maria Kłańska zum 65. Geburtstag

Katarzyna Jastal, Pawel Zarychta and Anna Dabrowska

Literatur war und ist ein Ort menschlicher Identitäts- und Wertefindung, an dem die Kontingenzen individueller und historischer Erfahrung in universale Kontinuitäten eingeschrieben werden. Sie ist auch ein Ort, an dem antike, jüdische und christliche Traditionsbestände durch ihre Fortsetzung und Neusemantisierung wieder aufleben und nicht selten zu Grundmustern individueller Sinnstiftung werden. Von dieser Grundbeobachtung ausgehend, begeben sich die Autorinnen und Autoren dieses Bandes auf die Suche nach solchen Kontinuitäten und Neusemantisierungen der antiken, jüdischen und christlichen Narrative in der älteren bis jüngsten deutschsprachigen Literatur. Sie rekurrieren auf die Forschungsinteressen von Prof. Dr. Maria Kłańska, der diese Publikation zum 65. Geburtstag gewidmet ist.
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Gertrud Kolmars Gedicht „Die Jüdin“ – ein Dokument jüdischer Selbstwahrnehmung

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Die Dichterin Gertrud Kolmar ist polnischer Herkunft. Ihre Vorfahren väterlicherseits stammten aus der Provinz Posen: aus der kleinen Kreisstadt Chodziesen bzw. Chodzesen (heute Chodzież) nördlich von Poznań.1 „Kolmar“, den deutschen Namen des polnischen Ortes, wählte die Dichterin als Pseudonym für ihre erste, 1917 im Egon Fleischel Verlag erschienene Publikation mit dem Titel Gedichte.

Gertrud Käthe Chodziesner wurde am 10. Dezember 1894 als erstes Kind des jüdischen Rechtsanwalts und späteren Justizrats Ludwig Chodziesner und seiner Frau Elise, geborene Schoenflies, in der Poststraße „im Herzen von Berlin“2 geboren. Ihre Eltern waren unterschiedlicher Herkunft: Während der Vater aus bescheidenen, ländlichen Verhältnissen stammte, zählte die Familie der Mutter zum wohlhabenden jüdischen Bürgertum Berlins. Die Identifikation mit den Idealen der deutschen humanistischen Bildung hatte zur Folge, dass die Eltern sich aus der jüdisch-orthodoxen Tradition weitgehend lösten und ihre Kinder zu liberalen, klassisch gebildeten preußisch-jüdischen Bürgern erzogen. Das Leben der ältesten Tochter Gertrud verlief – bis auf wenige Unterbrechungen – fast ausschließlich im Bannkreis des elterlichen Hauses. Im Gegensatz zu ihren drei Geschwistern, die 1938/39 emigrierten (Hilde in die Schweiz, Georg und Margot nach Australien), blieb sie auf schicksalhafte Weise auf den Vater fixiert. Sie entschied sich in Deutschland zu bleiben, da sie einerseits ihren alten Vater nicht allein lassen wollte und sie es andererseits für ihre Pflicht hielt, ihr Schicksal, das sie illusionslos auf sich zukommen sah, schweigend zu ertragen....

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