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Odysseen des Humanen

Antike, Judentum und Christentum in der deutschsprachigen Literatur- Festschrift für Prof. Dr. Maria Kłańska zum 65. Geburtstag

Edited By Katarzyna Jastal, Pawel Zarychta and Anna Dabrowska

Literatur war und ist ein Ort menschlicher Identitäts- und Wertefindung, an dem die Kontingenzen individueller und historischer Erfahrung in universale Kontinuitäten eingeschrieben werden. Sie ist auch ein Ort, an dem antike, jüdische und christliche Traditionsbestände durch ihre Fortsetzung und Neusemantisierung wieder aufleben und nicht selten zu Grundmustern individueller Sinnstiftung werden. Von dieser Grundbeobachtung ausgehend, begeben sich die Autorinnen und Autoren dieses Bandes auf die Suche nach solchen Kontinuitäten und Neusemantisierungen der antiken, jüdischen und christlichen Narrative in der älteren bis jüngsten deutschsprachigen Literatur. Sie rekurrieren auf die Forschungsinteressen von Prof. Dr. Maria Kłańska, der diese Publikation zum 65. Geburtstag gewidmet ist.
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„Wie leicht ist ein Sieg und wie schwer wiegt ein Satz.“ Odysseus’ Reden und Schweigen

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Was bleibt mir zu tunund wo kann ich hin gehenda doch alles feststeht im Buch des Dichtersdas mich überliefert mit meinen GötternHäusern, Inseln, Frauen, Adressen.1

Christoph Meckels Odysseus reflektiert über seine Position im Raum der heroischen Narrationen, die, vom „Buch des Dichters“ ausgehend, über Jahrhunderte hinweg auch „hinter dem Rücken des Dichters“ tradiert wurden, und die ihn als einen ganz besonderen, ja einzigartigen Helden, listigen Krieger, Abenteurer, Seefahrer, Spätheimkehrer und nicht zuletzt als Ehemann erscheinen lassen. Es drängt sich ihm die Frage auf, ob er nun neu anfangen könne, ist er doch eher „unauffindbar“ in Büchern als einer, der „tatenlos, ruhmlos, schweigend“ wirklich „im Fleisch“ präsent wäre, vielmehr erscheint er als einer, der immer Spuren trägt, immer einen „Stoff für eine Ballade“ (OH 125) darstellt. Dieses mythische Erbe möchte er gänzlich abschütteln, um sich von der Gefangenschaft der erzählten Geschichte zu befreien und ins „sterbliche Licht“ zu gelangen – um „zu leben!“ (OH 125) Doch wie kann man sich von der Macht des Wortes (und des Mythisierungsprozesses) emanzipieren und aus einer Figuration ausbrechen, die „wesentlich über seine [Odysseus‘] Taten, seinen körperlichen Habitus und seinen Ruhm“ definiert ist und nicht durch „das Wort oder die Reflexionskraft oder die Dimension der Innerlichkeit“2 des Helden, dessen große Taten in der Erzählung, in unterschiedlichen Medien und Diskursen fortleben, inszeniert und ästhetisiert werden und eine Projektionsfläche für jeweils aktuelle Problemstellungen in...

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