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Die Quantenversion der Gestaltung

Zeitlose Gestaltung als Übertragung der Unschärferelation am Beispiel der Landschaftsarchitektur

Anita Biedermann

Die Autorin bietet einen Lehransatz für Landschaftsarchitektur. Sie untersucht das zeitlose Muster großer Meister der Gartenkunst und führt das Prinzip der Gestaltung auf quantentheoretische Anordnungen zurück. Diese führen zur Ersetzung der ästhetischen Gestaltungsprinzipien durch das Evolutionsprinzip des Ausgleichs und der Kooperation. Durch Kohärenzbetrachtungen insbesondere der Biologie der Erkenntnis, der bildenden Kunst, der Architektur und der Kreativitätsforschung wird jedes Detailwissen mit der Gesetzmäßigkeit komplexer nichtlinearer Prozesse verbunden. Inmitten des Wandels wird so die Kontinuität zurückgewonnen – ein Denkansatz, der durch seine größere Flexibilität, bemerkenswerte Reichweite und Prägnanz der Gestaltung einen Durchbruch schafft.
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Erkenntnistheoretischer Ausgangspunkt

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„Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“1 So oft ich diesen Satz von Leo Tolstoj lese, fasziniert er mich immer wieder aufs Neue. Vermutlich liegt dies daran, dass er auf einer völlig anderen Wirklichkeitsebene zwei wesentliche, eng miteinander zusammenhängende Punkte meines eigenen Erkenntnisweges betrifft, auf denen mein Programm „Zeitlose Gestaltung als Übertragung der Unschärferelation“ gründet: Der erste Punkt zeichnet das Spannungsfeld zwischen einem rein individuellen und einem allgemeinen Muster desselben Systems/Geschehens auf, das sich je nach intellektueller Ausgerichtetheit des Lesers vermeintlich gegenseitig ausschließt. So kann das Geschehen innerhalb einer Familie einerseits etwa von einem Philosophen oder einem Schriftsteller über die einzelnen Persönlichkeiten der Familie beschrieben werden, andererseits kann beispielsweise ein Soziologe den wissenschaftlichen Anspruch einer Universaltheorie haben, die im Sinne eines umfassenden und kohärenten Theoriegebäudes für alle Formen von Sozialität gesehen wird, wie zum Beispiel Zweierbeziehungen, Familien, Organisationen, Funktionssysteme und Gesellschaft. Je genauer das individuelle Verhalten der einzelnen Beteiligten beschrieben werden soll, desto mehr verschwindet das dahinterliegende allgemeine Muster – umgekehrt gilt dasselbe, wie es die noch zu beschreibende Unschärferelation von Werner Heisenberg vorhersagt.

Im ersten Fall einer rein auf das Individuum zentrierten Betrachtung wird nicht nach einer funktionalstrukturalistischen Theorie eines Systems gefragt, um zu einem allgemeinen Muster eines Geschehens zu gelangen, das unabhängig vom Zeitgeist, von Leitbildern und von historischer Bedingtheit gültig ist, wie es stets das Anliegen der Naturwissenschaft im Unterschied...

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